Franziska Schlattner aus Oberhaching.
Es beginnt nicht auf einer Bühne und auch nicht vor der Kamera, sondern am Rand des Sets. Franziska Schlattner steht in den 1990er-Jahren in New York zwischen Requisiten und Kulissen. Sie arbeitet in der Ausstattung, legt Blumengärten an, organisiert Details. Und sie schaut zu. Sehr genau. „Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich ständig beobachte, was die Schauspielerinnen machen“, sagt sie später. Es ist der Moment, in dem sich etwas verschiebt – noch ohne Plan, aber mit Wirkung.
Dass Franziska Schlattner ein feines Gespür für Atmosphäre besitzt, dürfte kein Zufall sein. Aufgewachsen in Taufkirchen, besuchte sie das Gymnasium Oberhaching. Dort prägte eine lebendige Theaterarbeit das Schulleben. Schlattner war neugierig auf die Darsteller, auf deren Präsenz, auf das Zusammenspiel auf der Bühne. Ein klarer Berufswunsch war damit nicht verbunden. „Ich bin nicht jemand, der schon mit fünf Jahren gesagt hat, ich möchte Schauspielerin werden“, sagt die 54-Jährige. Diesen Entschluss fasste sie erst mit Mitte 20. „Ich glaube, es hatte viel damit zu tun, dass ich mir innerlich erst einmal zugestanden habe, das gut zu finden und auszuprobieren.“
Während des Studiums begann das Reisen. Mit einem Work-and-Travel-Visum ging sie Mitte der 90er-Jahre nach New York. Zunächst blieb sie hinter der Kamera. Ausstattung, Requisite, Set Decoration. Dann kam der Wunsch, selbst Teil des Spiels zu werden. Sie nahm Schauspielunterricht, Sprechtraining, arbeitete weiter am Set und sammelte erste Erfahrungen vor der Kamera. Begegnungen mit Schauspielern wie Claire Danes, Jude Law oder Jeanne Moreau prägten diese Zeit. Zurück in Deutschland entwickelte sich die Filmkarriere weiter. Besonders prägend war für sie eine ZDF-Reihe. „Eine meiner absoluten Lieblingsrollen“, sagt sie. Sie spielte eine temperamentvolle Haushälterin. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Schlattner auch im Kinder- und Jugendcasting. Dabei gehe es weniger um perfekte Darstellung als um Persönlichkeit. „Bei Kindern arbeitet man sehr mit dem, was da ist.“MARC OLIVER SCHREIB