Mama Karolina und ihre Töchter bleiben nun vorerst in München.
Erleichterung bei den Dubai-Rückkehrern am Flughafen München. © Armin Weigel/dpa
Glückliche Heimkehrer: Das Ehepaar Patricia (li.) und Karl. © Rainer Lehmann (2)
München – Menschen fallen sich weinend in die Arme, erschöpfte Ankömmlinge bahnen sich den Weg durch den Medienrummel. Die Erleichterung ist spürbar an diesem Dienstagabend am Flughafen München. Nach aufwühlenden Tagen nahmen Angehörige von Rückkehrern aus der Golfregion ihre Liebsten in Empfang. Rund 900 Menschen waren in zwei Maschinen aus Dubai und dem Oman in München gelandet.
Unter den überglücklichen Rückkehrern sind auch die 60-jährige Patricia und ihr Mann Karl (63), die von ihrer Familie samt Hund empfangen wurden. Das Ehepaar war auf Kreuzfahrt durch die Golfregion. „Wir befanden uns gerade auf einem Landbesuch, als uns die Kriegswarnung erreichte“, sagt die 60-Jährige. Sie hatten Glück: Ein Bus brachte die Urlauber von Abu Dhabi nach Dubai, von wo sie den Emirates-Flieger nehmen konnten. Panik sei keine aufgekommen, sagen sie, und loben das gute Krisenmanagement des Reiseveranstalters.
Bei anderen sitzt der Schock tief, die Strapazen der letzten Tage sind spürbar. „Wir wussten nicht, ob wir wieder rauskommen“, erzählt eine junge Frau unter Tränen. Sie saß auf einem Kreuzfahrtschiff fest, als die Angriffe begannen.
Auch einem Familienvater ist die Erleichterung anzumerken: „Ich glaube, wir hatten Glück, weil wir den Kleinen dabeihatten“, sagt der Vater eines Sohnes. Das Kind sei quasi die Eintrittskarte in den Flughafen gewesen – Freunde seien auf einer Warteliste gelandet.
Heimgekehrt im doppelten Sinne ist Karolina mit ihren beiden Töchtern. Die Familie kommt ursprünglich aus München, lebt aber seit Jahren in Dubai. Karolinas Ehemann ist der Pilot des Fliegers, in dem seine Familie saß. „Wir bleiben jetzt erst mal hier in München“, sagt Karolina. Ihr Mann muss direkt wieder zurück, um weitere Menschen auszufliegen.
Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts sitzen in der Region weiterhin zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machten oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. So wie Gisela Holzmeier (82) aus Germering und ihre Freundin Katharina Schweizer (77). „Es ist trostlos und zermürbend“, sagen sie am Telefon. Seit Samstagmittag ist der Flughafen Doha in Katar dicht. Seit Sonntag harren die beiden Frauen in ihrem Hotelzimmer in Hafennähe aus. „Wir schauen auf den Hafen. Über den Kreuzfahrtschiffen kreist ständig der Hubschrauber.“ Gerade sind die beiden Frauen wieder unverrichteter Dinge von der Rezeption zurückgekommen: „Unsere Koffer mit Wechselkleidung und Medikamenten bleiben wohl am Flughafen. Sollte ein Flieger gehen, in dem wir einen Platz finden, soll alles schnell gehen.“
Der erste Evakuierungsflug im Auftrag der Bundesregierung soll am frühen Donnerstagmorgen in Frankfurt landen. Für diesen Flug sollten laut Außenminister Johann Wadephul besonders verwundbare Gruppen ausgewählt werden, wie Schwangere, Kranke oder Kinder. Weitere Flüge seien in den kommenden Tagen geplant.
Allen anderen deutschen Staatsbürgern müsse man entweder noch einen längeren Aufenthalt zumuten oder anbieten, direkt von den Arabischen Emiraten aus nach Deutschland zu fliegen. „Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen“, sodass „die allermeisten der deutschen Touristen endlich zurückkommen können nach Deutschland“, so Wadephul.M. MILKOVIC/S. EBNER