Unsere wilde Reise durch Albanien

von Redaktion

Strauß-Spezl Karl Dersch erinnert sich an legendäre Fahrten mit dem CSU-Chef

Empfang an der Jugoslawisch-albanischen Grenze.

Drei Tage unfreiwilliger Aufenthalt und Besuchen von Sehenswürdigkeiten.

Zeitzeuge und Strauß-Intimus Karl Dersch. © Martin Hangen

Da geht‘s lang: Karl Dersch (li.) mit Franz Josef Strauß. Mit zwei Geländewagen ging es damals ins kommunistische und abgeschottete Albanien. © HSS

München – Da geht‘s lang!“ Karl Dersch deutet mit ausgestrecktem Arm Richtung Osten, Franz Josef Strauß steht neben ihm, scheinbar widerspruchslos. Es ist wohl das einzige Mal, dass jemand dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten vorschreibt, wo es langgeht. Aber Karl Dersch, langjähriger Direktor von Mercedes, durfte das – und Strauß hat auf ihn gehört. Denn „den Karli“ und FJS verband eine enge Freundschaft, beide waren verbal ziemlich direkt, schlau und wussten genau, was sie wollten. Die beiden lernten sich einst bei einem Cha-Cha-Cha-Tanzkurs am Ammersee kennen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Dass die alten Geschichten wieder hervorgeholt werden, ist dem Tag der Archive zu verdanken. Die Hanns-Seidel-Stiftung hat dafür in ihren Beständen gewühlt und Fotos einer privaten Reise ausgegraben, über die damals, im August 1984, wenig berichtet wurde. Jahre später erzählte Dersch, wie es wirklich war, mit Franz Josef Strauß quer durchs damals kommunistische, abgeschottete Albanien zu fahren, mit zwei Mercedes-Geländewagen, auf verminten Straßen und abgehört vom Geheimdienst. Am morgigen Freitag, 6. März, wird Karl Dersch (91) wieder davon erzählen, zusammen mit Strauß-Sohn Max, der (damals mit Bruder Franz-Georg) auf der Reise mit dabei war. Die Hanns-Seidel-Stiftung bittet um 18 Uhr zum öffentlichen Podiumsgespräch, moderiert von Archivleiter Christian Petrzik. Bereits vorher sprach Karl Dersch mit unserer Zeitung über die legendäre Reise.

Warum überhaupt Albanien? Nach dem Tod von Marianne Strauß zwei Monate zuvor „wollt‘ ich mit Franz Josef nicht wieder in sein Ferienhaus nach Südfrankreich. Die Erinnerungen wären zu schmerzlich gewesen. Ich sagte, lass uns doch beim Brenner links abbiegen“, erzählt Dersch. Irgendwann wollten sie in Griechenland rauskommen, mit der Fähre nach Italien übersetzen und in Terracina, im Haus von Filmproduzent Luggi Waldleitner Strauß‘ Geburtstag feiern.

Das Problem war nur: Albanien war abgeschottet, eine Durchfahrt für Normalbürger unmöglich. Aber nicht für FJS. Kaum hatte er die Idee, wollte er mit dem albanischen Botschafter in Bonn sprechen. „Nur: Den gab es gar nicht“, weiß Dersch. „Erst der Vertreter Albaniens in Wien machte es möglich.“ Also begab sich Strauß mit Sohn Max und Karl Dersch auf den Weg.

Stunden später als angekündigt rollten sie mit ihren dreckverspritzten Geländewagen, in kurzen Hosen und verschwitzten Hemden an die albanische Grenze. „Wir sahen aus wie die Räuber“, erinnert sich Dersch. „Strauß sagte nur: Da müssen wir jetzt durch.“

Der Besuch aus Bayern wurde in ein Gästehaus begleitet, dort nahm man ihnen die Pässe ab. „Offiziell, um sie zu stempeln“, so Dersch. „Aber wir bekamen sie erst in drei Tagen wieder. Man wollte uns von den Vorzügen des kommunistischen Systems überzeugen und fuhr uns zu sämtlichen Schlössern und Sehenswürdigkeiten.“ Und es gab Schnaps, viel Schnaps. Nach drei Tagen ging es weiter, Richtung Griechenland, auf einer Straße, die einst albanische Pioniere vermint hatten. „Die Albaner meinten, wir sollten uns keinen Kopf machen, sie würden die Minen räumen. Franz Josef sagte nur zu mir: Karl, ich fahr lieber im zweiten Wagen. Wenn was passiert, bekommt’s ein Staatsbegräbnis.“ Heute kann Dersch darüber lachen. Unversehrt erreichten sie endlich die albanisch-griechische Grenze. Allerdings: Das Tor war seit 1945 verschlossen, es gab keinen Schlüssel mehr, man musste es erst aufschweißen. „Auf der griechischen Seite erwartete uns ein Pope. Er hat uns als Erstes gesegnet, weil wir direkt aus der Hölle kamen.“

Es sollte nicht die letzte Reise nach Albanien bleiben. Dersch erinnert sich: „Wir wurden noch einmal eingeladen, allerdings sind wir dann geflogen. Als Gastgeschenk brachten wir eine Kiste Weißbier mit. Als unsere Gastgeber die erste Flasche öffneten, spritzte es nur so raus. Sie erschraken und gingen in Deckung.“MARIA ZSOLNAY

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