Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer mit seinem Wunschkennzeichen. © privat
München – HAA, VAT oder KÖB – noch gibt es diese Autokennzeichen nicht. Doch das könnte sich bald ändern. Denn der Bundesrat entscheidet heute über die Liberalisierung von Autokennzeichen. Stimmt die Bundesregierung im nächsten Schritt einer Änderung der Kfz-Zulassungsverordnung zu, haben die neuen Kennzeichen freie Fahrt. Demnach könnten 320 deutsche Städte und Gemeinden eigene Nummernschilder bekommen. Mehr als 100 Kommunen haben Interesse bekundet, darunter auch einige in Bayern.
„Ein eigenes Kennzeichen würde die Identität unserer Gemeinde stärken und zur Markenbildung beitragen“, findet Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU), der von der Idee gleich begeistert war und das Projekt „Stärkung der Mittelstädte durch neue Kennzeichen“ des Heilbronner Professors Ralf Bochert in den Vaterstettener Gemeinderat einbrachte. Bochert hatte vorgeschlagen, dass Mittelstädte zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern auf Antrag eigene Kürzel erhalten können.
Das Land Hessen griff Bocherts Vorstoß auf und brachte einen Antrag zur Liberalisierung von Autokennzeichen in den Bundesrat ein. „Autokennzeichen haben für viele Menschen einen Bezug zu ihrer Region. Sie stehen für die Verbundenheit mit Stadt oder Landkreis und sind damit mehr als ein reiner Verwaltungsvorgang. Ziel der Initiative ist es, den Kommunen mehr Spielraum bei der Gestaltung von Kfz-Kennzeichen zu geben, ohne neue bürokratische Hürden zu schaffen“, sagte Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori bei seiner Rede im Bundesrat. Sollte die Bundesregierung nach dem Länderentscheid grünes Licht geben, könnte im Fall von Vaterstetten statt „EBE“ künftig „VAT“ auf den Nummernschildern der Gemeinde im Landkreis Ebersberg stehen.
Bislang ist die Kennzeichenvergabe so geregelt, dass Städte, die Teil eines Landkreises sind, im Regelfall das Kennzeichen des Landkreises erhalten. Kreisfreie Städte, die keinem Landkreis angehören (wie München), haben fast immer ein eigenes Kennzeichen. Doch weil die Kombinationen mit einem Buchstaben (M) zur Neige gingen, behilft man sich in der Landeshauptstadt seit Dezember 2023 mit dem Kürzel MUC. Für den Landkreis München gibt es seit Januar 2026 das Kürzel MU – für Münchner Umland.
Bereits seit Ende 2012 ist es möglich, ehemals abgeschaffte Kfz-Kennzeichen erneut zu beantragen, sofern die Kommune das anbietet. Beispiele aus Bayern für solche „Nostalgie-Kennzeichen“, die oft im Zuge der Gebietsreformen in den 1970er-Jahren abgeschafft worden waren: AIB für Bad Aibling oder WOR für Wolfratshausen. Auch diese Änderungen mussten vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden.
Das zeigt: Die Kürzel-Vielfalt steigt, ebenso der Wunsch nach Identität. „Viele Leute stehen drauf, dass man sich individualisierte Kennzeichen holen kann“, sagt Spitzauer. Auch der Rathauschef hat sein Wunschkennzeichen für seinen Dienstwagen schon im Blick: „VAT – BM“. Damit sieht jeder gleich: Hier rollt der Bürgermeister an.
In Bayern sprechen sich mindestens acht weitere Kommunen für eigene Autokennzeichen aus: Haar (HAA), Waldkraiburg (WKB), Karlsfeld (KFD), Königsbrunn (KÖB), Neufahrn bei Freising (NFA), Zirndorf (ZDF) Herzogenaurach (HZA) und Geretsried (GRD).
Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) sieht in den neuen Schildern auch eine gute Marketing-Maßnahme für seine Stadt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „Geretsried ist die größte Stadt im Landkreis. Wir sehen die neuen Kennzeichen doppelt positiv: in der Wahrnehmung unserer Stadt nach außen, aber auch in der Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit der eigenen Kommune.“DANIELA POHL