Anja Würfl ist „die Frau am Grill“. Seit fast zehn Jahren hat sie einen Foodblog. © Privat
Moosburg a. d. Isar – Als Anja Würfl 2017 mit ihrem Foodblog „die Frau am Grill“ wurde, musste sie erst mal ganz schön viel Gegenwind verkraften. Denn Grillen, das machen doch eigentlich die Männer – so war zumindest bei manchen die Auffassung. Und die fanden es zunächst gar nicht gut, dass Würfl die Szene aufmischen wollte. Sie ließen daher direkt Oberteile mit einem durchgestrichenen Piktogramm – eine Frau am Grill – anfertigen, damit auch ja alle wissen, woran sie sich stören. „Ich habe mich in ein Wespennest gesetzt“, sagt Würfl heute. Persönlich kannte sie ihre Gegner nicht, sie sah nur Fotos, etwa auf Facebook. „Früher wären die mit Mistgabeln dagestanden.“ Heute ist das zum Glück nicht mehr so, sagt sie. Zum Weltfrauentag an diesem Sonntag hat sie mit uns übers Grillen gesprochen.
Was auf den Rost kommt, ist heute vielfältiger als früher. Denn neben den klassischen Würsten und dem Stück Fleisch landet auch viel Gemüse drauf – und bei besonders Mutigen vielleicht auch mal eine gefüllte Weißwurst (Rezept im Kasten). Grundsätzlich gilt: „Es ist alles erlaubt, was schmeckt“, sagt Würfl, die im Landkreis Freising wohnt. Auf ihrem Foodblog sind hunderte Rezepte zu finden. Sortiert von A bis Z.
Ein Lieblingsgrillrezept hat die 43-Jährige nicht. „Ich kann mich für alles immer so begeistern.“ Ihr Tipp: viel ausprobieren. Was Würfl besonders mag, sind Auberginenpizzen. Statt des üblichen Pizzateigs als Boden, liegt der Belag auf einer Scheibe frischer Aubergine. Außerdem empfohlen: mit Ziegenkäse gefüllte Champions sowie mit Curry marinierte Zucchinischeiben und dazu Sauerrahm. „Am Grill kann man sehr kreativ werden“, betont Würfl.
Ob am Kohle-, Gas- oder Elektrogrill – „das ist Geschmackssache“, findet Würfl. Außerdem gibt es mittlerweile auch Hybridgrills, also Kohle und Gas in einem. Und natürlich kommt es auch auf die Wohnverhältnisse an. Was Würfl besonders wichtig ist: Ihre Grill-Rezepte sollen auch größtenteils in der Küche nachgekocht werden können. Denn nicht jeder hat einen eigenen Grill.
Auch Nachhaltigkeit ist für sie ein großes Thema: keine Einweggrills mehr und bewusst einkaufen – „das muss einfach ein Trend sein“. Als großer Fan von Outdoor-Cooking hätte Würfl übrigens gerne eine voll ausgestattete Outdoorküche daheim. „Aber man kann nicht alles haben“, sagt sie und lacht. Sie selbst hat zwei Gasgrills, einen Kohlegrill und dazu diverse kleine, etwa Gashockerkocher, zählt die Grillmeisterin auf. „Der Grill läuft bei uns im Sommer fast jeden Tag.“ Das liegt natürlich auch am Foodblog. Für den hatte sie übrigens immer großen Rückhalt bei Familie und Freunden.
Dennoch sind ihr die Anfeindungen in der Anfangszeit im Netz sehr nahegegangen. Gemeldet hat sie das nicht. „Der Umgang mit so was war damals noch ein anderer“, sagt Würfl. Unterkriegen hat sie sich dennoch nicht lassen. „Ich bin nicht weggegangen. Das mussten die Männer akzeptieren.“