Bis 20. März steht der Schneefernerkopflift noch, dann wird er gesprengt. © Schmatz/BZB
Schlange stehen für den Schlepper: Beliebt war der Schneefernerkopflift (links) einst, genauso wie der Gletscherseelift. Die Anlage rechts im Bild wurde bereits 2012 abgebaut. © Bayerische Zugspitzbahn
Garmisch-Partenkirchen – Sanft und flach verlief die Abfahrt, gemütlich fuhren die Skifahrer mit dem Schlepplift nach oben und entspannt eine blaue Piste nach unten. So war das 1967, als der Lift auf dem Zugspitzplatt eröffnete. So war das auch noch Jahrzehnte danach. Bis sich das Klima so rasant und so deutlich wandelte, dass es niemand mehr ignorieren konnte. Aus der blauen Piste am Schneefernerkopflift ist längst eine schwarze geworden. Weil der Gletscher schwindet und sich das Gelände dadurch massiv ändert. So sehr, dass die Bayerische Zugspitzbahn nun kapitulieren muss. Sie kann den Lift nicht halten. Technisch unmöglich, urteilen die Experten im Unternehmen. In knapp zwei Wochen startet der Rückbau. „Für uns auch ein sehr emotionales Thema“, sagt Sprecherin Laura Schaper.
Über 55 Winter lang hat der Schneefernerkopflift Skifahrer befördert. „Viele bei uns sind mit ihm aufgewachsen.“ In der Saison 2023/24 öffnete er zum letzten Mal. Denn es braucht enorm viel Schnee, um den steilen Ausstieg halbwegs annehmbar zu präparieren und die Senke, die sich vor dem Lift gebildet hat, halbwegs aufzufüllen. Um die Talstation ohne Anschieben zu erreichen, „müsste man derzeit im Grunde fast von oben an Schuss fahren“, sagt Schaper. Nicht verantwortbar bei dem Gefälle. Diese Situation ließe sich durch massiven Schneefall zumindest verbessern. Mittlerweile aber reicht auch der nicht mehr.
Bereits seit einigen Jahren steht fest, dass die Anlage am Nördlichen Schneeferner irgendwann dem Klimawandel zum Opfer fallen wird. Ihre Stützen stehen auf Eis, kein Fundament stabilisiert sie im Boden. Vielmehr bleiben sie über die Halteseile aufrecht – eine gängige Konstruktionsweise bei Gletscherliften. Durch den Rückgang des Eises jedoch senkt sich der Boden ab, die Pfeiler verlieren an Stabilität und werden über die Zugkraft des Seils nach oben gezogen. Darüber hinaus reichen die Schleppbügel nicht mehr weit genug an den Boden. Gerade an der Bergstation in der überaus steilen Spur wird dies zum Problem. Für das sich keine Lösung finden lässt. „Jetzt ist es real“, sagt Schaper. Der Lift kommt weg. „Ein sehr ernstes Thema für uns.“
Am 20. März wird sich das Team endgültig vom Schneefernerkopflift verabschieden. Dies dürfte einigermaßen spektakulär ablaufen. Nach Dienstschluss, wenn alle Skifahrer das Gebiet verlassen haben, werden die zwei Halteseile durchtrennt. Dafür bringen Experten an der Bergstation zwei Schneidladungen an und sprengen die Stahlstränge. Ein kurzer Knall – das war‘s. Läuft alles nach Plan, fallen durch die fehlende Spannung alle sechs Stützen synchron zu Boden. In den Tagen und Wochen danach werden die Teile zerlegt, in Pistenraupen zum Sonnalpin und schließlich mit der Zahnradbahn ins Tal befördert. Auch die Berg- und Talstation werden komplett abgebaut.
Damit verschwindet der letzte Gletscherlift von der Zugspitze. Der Gletschersee-Schlepplift, der parallel zur Schneefernerkopfanlage verlief, wurde 2012 abgebaut. Bereits sieben Jahre zuvor gab man den Zweier-Sessellift „Neue Welt“ auf, der zum Schneefernerkopf hinaufführte. Auch dort hatte sich das Gelände des Südlichen Schneeferners – er hat mittlerweile seinen Status als Gletscher verloren – zu stark verändert, auch dort wurde der Hang zu steil. Keine weitere bestehende Anlage ist im ewigen Eis gebaut, dessen Ewigkeit in den nächsten Jahrzehnten endet. „Der Klimawandel hier ist real“, sagt Schaper. Der Gletscher stirbt. Und jeder kann es sehen.KATHARINA BROMBERGER