Der Schlagabtausch im Bayerischen Hof

von Redaktion

Unmittelbar vor dem Kommunalwahl-Wochenende – Letztes Triell der OB-Kandidaten

Diskussion zur Wahl: Moderatorin Marion Gehlert sprach im Bayerischen Hof mit Dieter Reiter (SPD, v.l.), Dominik Krause (Grüne) und Clemens Baumgärtner (CSU). © mg

Die Ausstattung passt. Traubenzucker zur Stärkung, Tee für die Nerven, ein Ingwer-Shot für die nötige Schärfe, Taschentücher zum Tränentrocknen und eine Flasche Grauburgunder zum Anstoßen: Das alles ist drin im Wahltag-Überlebenspaket. Ein Geschenkkorb – bekommen haben ihn am Donnerstagabend Dieter Reiter (67, SPD), Dominik Krause (35, Grüne) und Clemens Baumgärtner (49, CSU). Diese drei, die als aussichtsreichste Kandidaten bei der OB-Wahl am Sonntag gelten, traten im Bayerischen Hof zum letzten OB-Triell dieses Wahlkampfs an. Auf Einladung mehrerer Verbände (darunter Tourismus-Initiative sowie Hotel- und Gaststättenverband) debattierten sie im Ballsaal vor rund 320 Zuschauern.

Marion Gehlert von münchen.tv führte durch die Diskussion, bei der jeder der Bewerber darlegen konnte, warum er jeweils sich selbst für den geeignetsten Rathaus-Chef hält. Substanzielle Zahlen zur Ausgangslage stammen aus dem Januar. Da ergab eine Umfrage: 45 Prozent der Münchner würden den amtierenden Oberbürgermeister Reiter wählen, auf den zweiten Bürgermeister Krause und Ex-Wirtschaftsreferent Baumgärtner würden je 20 Prozent der Stimmen entfallen. Wenn die Machtverhältnisse jetzt noch in etwa vergleichbar wären, hieße das: Reiter läge klar vorn, müsste aber (wenn er nicht über 50 Prozent käme) in die Stichwahl. Gegen welchen der beiden Kontrahenten: Dieses Rennen gilt als offen. Sicher ist: Am 22. März würde die Stichwahl steigen.

Auf dem Podium im Bayerischen Hof ging’s rund zwei Stunden lang um die München-Rezepte der Kandidaten. Etwa zur Frage, wie man die Stadt vorm Verkehrskollaps bewahren kann (wo Baumgärtner darauf hinweist, dass man „erst den ÖPNV attraktiver und dann den Autoverkehr unattraktiver machen“ müsse – „und nicht umgekehrt“). Auch das Ankurbeln des Wohnungsbaus war Thema – Reiter setzt auf Konzeptvielfalt und den Dialog mit Grundbesitzern („Ein bisschen was von allem ist der beste Weg“). Und es ging ums Grundsätzliche. Krause hofft auf einen Stimmungswechsel und denkt an Olympia 1972: „Ich würde mir wünschen, dass der Aufbruchsgeist von vor 50 Jahren wieder auflebt.“

Gar nicht zur Sprache kam auf dem Podium das große Rathaus-Debattenthema der letzten Tage. OB Reiter hatte für Riesenwirbel gesorgt: Er war in den Aufsichtsrat des FC Bayern aufgerückt, hatte sich das aber nicht vom Stadtrat genehmigen lassen (siehe Text oben).

Ob ihn diese Debatte Wählerstimmen kosten wird? Reiter winkt ab und wirkt entspannt. Er sagt übers Wahlkampf-Finale: „Wir haben 1000 Rosen verteilt, niemand hat sie zurückgewiesen. Ganz grundsätzlich verspüre ich keine Wechselstimmung – und schon gar nicht wegen so eines Themas. Dahinter steht nur eine einzige Partei, und die hat nur eine Idee: den Reiter desavouieren.“ Gemeint ist die Linke, die am Freitag Beschwerde gegen Reiter bei der Regierung von Oberbayern einlegte. Der OB aber ist überzeugt: „Das ist nicht das Thema, um das es den Wählerinnen und Wählern geht.“

Ob er mit dieser Einschätzung richtig liegt? Wer am Ende den Grauburgunder öffnen kann und wer die Taschentücher benötigt? Das wird der Sonntag zeigen. Die ersten Zahlen zur OB-Wahl werden gegen 19.30 Uhr erwartet.ULI HEICHELE

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