Kochkunst aus Kenia für Bayern

von Redaktion

Personalmangel in der Gastro: Wirte-Delegation für Pilotprojekt in Afrika

Speed-Dating: Sabine und Hans Oskar im Gespräch mit einem Bewerber in Nairobi. © privat

Familienbetrieb aus Forstern: Hans und Sabine Oskar mit Schwiegersohn Tobias Schweikert und Tochter Andrea Schweikert. © Johannes Dziemballa

Forstern/Nairobi – Ein Bayer mitten in Kenia: Caterer Hans Oskar aus Forstern (Landkreis Erding) war in der deutschen Botschaft in Nairobi zu Gast – und trug dabei bayerische Tracht inklusive Hut. Das fiel auf, Oskar wurde zum gefragten Fotomotiv, erzählt er. Aber er war nicht einfach zur Gaudi in Afrika. Der Hintergrund des Botschaftsbesuchs war ein ernster. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern will gemeinsam mit dem Berufsschulzentrum Erding und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) gegen den Fachkräftemangel im Gastgewerbe in Deutschland vorgehen. Dazu suchen sie Nachwuchskräfte in Kenia für die Ausbildungsberufe Fachkraft Küche und Fachkraft für Gastronomie.

Für das Pilotprojekt flog eine bayerische Delegation unter anderem aus Hoteliers und Gastronomen nach Nairobi – unter ihnen Sabine und Hans Oskar. Ihr Kochhaus Oskar ist einer der fünf bayerischen Betriebe, die an dem Pilotprojekt teilnehmen. Denn der Fachkräftemangel ist ein Problem, das auch die beiden kennen. Mit ihrer Teilnahme am Projekt möchten sie dem Mangel vorbeugen. Mit dabei sind außerdem das Hotel Zeller‘s Quartier aus Königsbrunn, das Bräustüberl Weihenstephan aus Freising, das Hotel Marriott Munich City und die Foodvarieté Genussmanufaktur aus Taufkirchen.

Mehr als 400 junge Menschen aus ganz Kenia haben sich für die kenianisch-deutsche Ausbildungspartnerschaft Talent Gateway beworben. Nach einem strengen Auswahlverfahren – Interviews, Sprachprüfung, Bewertung praktischer Fähigkeiten – wurden 35 Bewerber zu einem ersten Kennenlernen mit den Betrieben eingeladen.

Das Kennenlernen startete mit einem Speed-Dating, erzählt Oskar. Jeder Bewerber hatte ein paar Minuten Zeit, sich vorzustellen. Die Gespräche waren alle auf Deutsch. Die jungen Kenianer sprechen die Sprache schon fast fließend, sagt Oskar. Anschließend wählten die Betriebe mehrere Kandidaten aus, die sie am nächsten Tag näher kennenlernen wollten. „Mit ihnen haben wir längere Bewerbungsgespräche geführt.“ Insgesamt wurden 18 junge Menschen aus Kenia für eine Ausbildung ausgewählt – der erste Jahrgang des Pilotprogramms Talent Gateway.

Für sie beginnt nun eine sechsmonatige Vorbereitungsphase in Kenia: Deutschunterricht, berufspraktische Qualifizierungen im Gastgewerbe sowie interkulturelle Orientierung gehören dazu, heißt es von Dehoga Bayern. Anschließend geht es für die jungen Menschen nach Deutschland. Im September startet die Ausbildung.

Zu Hans Oskar und seiner Frau Sabine kommen dann Alfred und Alex (22 und 24 Jahre jung) in den Betrieb. Beide werden zunächst eine Ausbildung zur Fachkraft Küche machen. „Die Entscheidung war schwer, weil sich alle so gut präsentiert haben“, sagt Oskar. Für Alfred und Alex schaut er sich nun nach einer Bleibe um. Zum Beispiel zwei Apartments oder eine Wohnung, die die beiden gemeinsam mieten können, sagt Oskar.

Der Caterer ist jedenfalls begeistert von der Initiative, denn: „Wir haben einen akuten Fachkräftemangel in Deutschland. Jeder freut sich über das Projekt.“ Nun ist es wichtig, dass der Pilotversuch auch Anklang findet, betont Oskar. „Die jungen Menschen wollen lernen, arbeiten und vorwärtskommen.“ Oskar sieht darin eine große Chance, dem Fachkräftemangel in der Gastro ein Stückchen entgegenzuwirken. Für Oskar ist all das eine Win-Win-Situation.FRANZISKA WEBER

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