Bahn entfernt Storchennest von Strommast

von Redaktion

Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern

Zwei Störche saßen gestern noch in ihrem Nest. © STEFAN ROSSMANN (2)

Ein DB-Mitarbeiter entfernte gestern das Storchennest auf dem Strommast.

Langwied – Die Deutsche Bahn hat gestern ein Storchennest entfernt, das die Tiere auf einem Strommast in Langwied im Kreis Ebersberg gebaut hatten. Dafür war eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern nötig. Und die gab es nur unter der Bedingung, dass die DB bis Ende Februar 2027 eine Ersatznisthilfe für die Tiere schafft.

Eine Dreiviertelstunde, bevor die Nesträumer der Bahn anrückten, waren noch vier Störche zu beobachten. Zwei im Nest, zwei kreisten in der Luft. Es seien aber noch keine Eier im Nest gewesen, betonen die DB-Mitarbeiter. Und: Es habe an dieser Stelle bereits Kurzschlüsse durch Nestmaterial und herabrinnende Flüssigkeit gegeben.

Eine Ausnahmegenehmigung zur Nestentfernung gibt es, wenn der Horst auf dem Mast einer 110-Kilovolt-Bahnstromleitung liegt, direkt oberhalb eines unter Hochspannung stehenden Leiterseils, heißt es von der Regierung von Oberbayern. Dort hatte die DB Mitte Februar die Anfrage gestellt. Durch den Horst drohten unter anderem Spannungsüberschläge, die die Bahninfrastruktur beschädigen oder sogar einen Brand verursachen könnten, heißt es.

Trotzdem gibt es Kritik an der Nestentfernung. Matthias Larasser hat in Langwied eine Kunstschmiede, von der aus er die Störche das ganze vergangene Jahr über beobachtet hatte. Gestern sah er mit grimmigem Gesichtsausdruck dem Monteur zu, der mit einem Handbesen die letzten Erdreste von dem Stahlausleger bürstete. „Ich hoffe, dass die Störche wieder hinbauen“, sagt Larasser. Die Bahn solle lieber pünktlich fahren, statt Storchennester zu entfernen. Der 61-jährige Kunstschmied hatte sogar angeboten, einen Ersatznistplatz auf seiner Schmiede einzurichten. Aber die Bahn hatte abgelehnt. Genau wie das Angebot der Stadt für einen Nistplatz an der benachbarten Kläranlage. Das bestätigt auch der Landesbund für Vogel- und Naturschutz. Auch er hatte der DB Hilfe bei der Suche nach einem Ersatzhorst angeboten. Man hätte die Störche umsiedeln können, betont Richard Straub vom LBV. „Aber daran hatte die Bahn kein Interesse.“IMO/JA

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