Der erste Zug fährt schon: ein Baustellenfahrzeug in der Weströhre des Brennerbasistunnels bei Mauls in Südtirol. © BBT SE
München/Bozen – Beim Brennerbasistunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste/Südtirol deutet sich ein noch späterer Eröffnungstermin an. Ursprünglich sollten die 56 Kilometer langen Tunnelröhren Ende 2028 in Betrieb gehen. Dieser Termin wurde korrigiert auf 2032. Doch auch das ist nach einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ offenbar wacklig, es droht eine weitere Verzögerung. Die Tunnelbau-Gesellschaft BBT SE will das so nicht bestätigen. Aber, so Sprecher Andreas Ambrosi auf Anfrage: Es werde „im Laufe des Jahres 2026 ein aktualisiertes Bauprogramm“ vorgelegt. Die Tiroler Regierung sieht das kritisch. Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) erwartete sich von der BBT SE „vollkommene Transparenz, was die anstehenden Umsetzungsschritte und Entscheidungen betrifft”, wie er der „Tiroler Tageszeitung“ sagte.
Erst im Februar hatten die Tunnelbohrer am Brenner gute Nachrichten verkündet: Die Tunnelbohrung an den Megaröhren nähert sich dem Ende. Derzeit sind bei Pfons/Matrei auf Tiroler Seite noch zwei Tunnelbohrmaschinen im Einsatz. Nur noch weniger als sechs Kilometer insgesamt an den beiden Hauptröhren fehlen, dann sind die Tunnel komplett ausgebrochen, erklärt Ambrosi. Insgesamt ist das Tunnelsystem mit Verzweigungen, Rettungsröhre und seitlichen Zugangsstollen 230 Kilometer lang.
Danach tritt der Tunnelbau in eine neue Phase, die offenbar nicht unproblematisch ist: der Innenausbau der Röhren. Derzeit werde die bahntechnische Ausrüstung geplant – Gleise, Stromschiene, Leit- und Sicherungstechnik und Energieversorgung zum Beispiel. Das ist unter anderem wegen unterschiedlicher Stromsysteme in Österreich und Italien sehr komplex. „Alle Projektentwicklungen und Optimierungen im Bereich der Bahntechnik werden derzeit neu bewertet“, schreibt Sprecher Ambrosi in einer Mitteilung.
Der Brennerbasistunnel ist insgesamt auf 10,5 Milliarden Euro veranschlagt. Nach Inbetriebnahme soll sich die Fahrzeit für Personenzüge zwischen München und Bozen um 55 Minuten verkürzen, also ungefähr von vier auf drei Stunden.
Noch nicht in Sicht ist trotz vielfachen Drängens von Österreich und Südtirol der Bau des Brenner-Nordzulaufs von Grafing über das Inntal bis Kufstein. Nach der Vorauswahl der Trasse durch die Bahn hängt das Projekt nun im Bundesverkehrsministerium fest. Eigentlich hätten die Planungsunterlagen längst an den Verkehrsausschuss des Bundestags weitergeleitet werden müssen, kritisiert die Rosenheimer Grünen-Bundestagsabgeordnete Victoria Broßart. Der Ausschuss muss über das Projekt beraten und beschließen, ob eine erneute Anhörung stattfinden soll. Letztendlich muss dann der Bundestag entscheiden, ob er den Nordzulauf befürwortet (und das Geld zur Verfügung stellt) oder eben nicht. Das Unions-geführte Ministerium sei mit Auskünften mehr als sparsam und „lässt sich seit Monaten Zeit“, sagte Broßart. Gleichzeitig werde über die Beschleunigung von Vorhaben bei Straße und Schiene getönt und durch das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz versucht, Umweltstandards und Klagerechte „zu schleifen“. Broßart: „Wie das zusammenpassen soll, erschließt sich mir nicht.“DIRK WALTER