Die Hochs und Tiefs der Parteien

von Redaktion

CSU mit schlechtestem Wert seit 1952 – Grüne in Würzburg top, AfD in Günzburg

München – Die CSU hat bei den Kommunalwahlen landesweit Verluste hinnehmen müssen: Ihr Stimmenanteil in den Landkreisen und kreisfreien Städten ging im Vergleich zur Wahl 2020 von 34,5 auf nun 32,5 Prozent zurück, zeigt eine Berechnung des Statistischen Landesamts. Zweitstärkste Kraft sind weiterhin die Grünen mit 13,6 Prozent, ein Verlust von 3,9 Prozent. Dahinter rangieren dicht beieinander SPD mit 12,3 Prozent (minus 1,4), AfD mit 12,2 Prozent (plus 7,5) und die Freien Wähler mit 12,1 Prozent (plus 0,2). Kleinere Parteien wie ÖDP, Linke, FDP oder Volt wurden vom Statistischen Landesamt nicht separat ausgewiesen, sie holten zusammengerechnet bayernweit 9,1 Prozent – exakt so viel wie beim letzten Mal. Auch die vielen parteifreien lokalen Listen blieben mit 8,2 Prozent (minus 0,4) stabil.

Bei diesem bayernweiten Ergebnis ist zu berücksichtigen, dass hier nur die Wahlen der 71 Kreistage und der 25 Stadträte der kreisfreien Städte einfließen, nicht aber die gut 2000 Gemeinde- und Stadtratswahlen in den kreisangehörigen Kommunen. Für die CSU ist es ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis seit 1952. Zum Vergleich: Bei der vorletzten Kommunalwahl 2014 waren es noch 39,7 Prozent. Das bayernweite beste Kreistagsergebnis gab es im Landkreis Ebersberg – unter ihrem Landrat Robert Niedergesäß schaffte die CSU 41 Prozent. Besser war es nur in einem Stadtrat (Straubing 42,8 Prozent). Insgesamt bleibt die CSU kommunal tonangebend – nur in den Städten München, Würzburg, Fürth (hier bayernweiter Tiefstwert von 17 Prozent), Schwabach und Coburg wurde sie nicht stärkste Kraft, in den Kreistagen hingegen überall. Bemerkenswert sind die Ergebnisse einzelner Promis: So wurde der ehemalige Umweltminister Marcel Huber im Kreistag Mühldorf vom letzten Platz 60 auf Platz 2 hinter dem CSU-Landrat vorgehäufelt.

Vor allem die Grünen fuhren Verluste ein, wurden aber mit landesweit 13,6 Prozent erneut zweitstärkste kommunale Kraft. Vor sechs Jahren hatten die Grünen noch 17,5 Prozent geholt – das war damals ihr bislang bestes Kommunalwahlergebnis im Freistaat. Bayernweite Topwerte erzielten sie in den studentisch geprägten Großstädten wie Würzburg (31,3 Prozent), München (26,5) und Erlangen (23,2). Diaspora der Grünen ist der Landkreis Cham (4,1 Prozent).

Die SPD, für die es 2020 schon um rund sieben Prozentpunkte auf historisch schlechte 13,7 Prozent nach unten gegangen war, sackte nun auf 12,3 Prozent ab. Ein Spitzenwert gelang ihr aber in der Stadt Fürth, wo sie wahrscheinlich auch wegen ihres populären Oberbürgermeisters Thomas Jung auf 41,1 Prozent kam. Dahinter folgen die Städte Schwabach, Coburg, Schweinfurt und Hof. In Oberbayern war die SPD in München am besten, unter den Landkreisen in Oberbayern ragt der Landkreis Altötting (13,1) heraus.

Die AfD legte deutlich von 4,7 auf 12,2 Prozent zu – sie war erstmals in allen 71 Kreistagen und 24 der 25 Stadtratswahlen (kreisfreie Städte) mit eigenen Listen angetreten – Ausnahme: Stadt Amberg. Im Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach gelangen ihr nur 4,6 Prozent – der Tiefstwert. Hochburg war der Landkreis Günzburg mit 19,6 Prozent, gefolgt von Schweinfurt (19,1) und Deggendorf (18,4). Niederbayern war der Regierungsbezirk mit den meisten AfD-Stimmen (15,4 Prozent), in Oberbayern kam sie dagegen nur auf 9,8 Prozent.

Die Freien Wähler legten minimal von 11,9 auf 12,1 Prozent zu. Sie holten im Kreis Unterallgäu mit 25,6 Prozent ihr bayernweit bestes Ergebnis. In einer Reihe von Landkreisen (etwa Mühldorf und Landsberg) waren die FW gar nicht angetreten. Auch die kleinen Parteien haben Aha-Erlebnisse. So kam die häufig schon totgesagte FDP im Kreis Starnberg auf immerhin 6,3 Prozent – die einstige Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bleibt Kreistagsmitglied. Die Wahlbeteiligung stieg von 58,7 Prozent im Jahr 2020 auf jetzt 63,4 Prozent.DIRK WALTER

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