Viele Lufthansa-Maschinen werden Donnerstag und Freitag wegen des Piloten-Streiks am Boden bleiben. © Lando Hass/dpa
München – Nach dem Streik-Aufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit für Donnerstag und Freitag hat die Lufthansa gestern einen Sonderflugplan veröffentlicht. So können an beiden Tagen mehr als 50 Prozent des ursprünglich geplanten Flugprogramms angeboten werden. Bei den Langstreckenverbindungen liege der Anteil sogar bei 60 Prozent. Einige Piloten hätten sich freiwillig gemeldet, um während der Streik-Tage zu fliegen. Zusätzlich werden zahlreiche Flüge von und nach Frankfurt und München von anderen Fluggesellschaften der Lufthansa Group sowie von Partner-Airlines übernommen. Außerdem will die Lufthansa an den beiden Streiktagen größere Flugzeuge einsetzen, um mehr Passagiere befördern zu können.
Die Lufthansa Cargo wird trotz des Streikaufrufs mehr als 80 Prozent ihres Frachtflugprogramms fliegen. Die Lufthansa City Airlines und die Discover Airlines werden an beiden Streiktagen alle geplanten Flüge abheben lassen. Die Lufthansa CityLine, die am Donnerstag ebenfalls bestreikt wird, soll laut Pressemitteilung am Freitag wieder fast ihr komplettes Flugprogramm anbieten können.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte die mehr als 5000 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Lufthansa Cityline zu einem 48-stündigen Streik aufgerufen. Auch sie rechnet mit weniger Flugausfällen als bei der ersten Streikwelle. Rund 300 Flüge pro Tag werden voraussichtlich ausfallen, sagt VC-Präsident Andreas Pinheiro in einer Video-Botschaft an die Beschäftigten. Bei der ersten, auf einen Tag beschränkten Streikwelle im Februar waren rund 800 Flüge und damit mehr als das Doppelte ausgefallen. Die Situation an diesem Donnerstag und Freitag sei eine andere, erklärte der VC-Präsident. So stünde in dieser Woche mehr Personal zur Verfügung und die Kabinengewerkschaft Ufo beteilige sich dieses Mal nicht. Das sei für die VC aber „okay“. Man erwarte ein verhandlungsfähiges Angebot. Wegen der Krisensituation im Nahen Osten hatte die VC in der vergangenen Woche von Streiks abgesehen und die Ziele in dieser Region ausgenommen. Nach Ansicht der Piloten hat sich die Situation zuletzt entspannt, auch weil die Golf-Airlines ihren Betrieb wieder aufgenommen hätten.
Während es bei der Regionaltochter Cityline um eine Anhebung der Gehälter geht, streiten die Tarifpartner bei der Cargo und der Kerngesellschaft um höhere Betriebsrenten. Den Streikaufruf verurteilte die Lufthansa als unnötige Eskalation. Der Streikaufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sei nicht nachvollziehbar, erklärt Personalvorstand Michael Niggemann. „Vor allem nicht in einer Zeit, in der wir mit dem Iran-Krieg ein neues Ausmaß geopolitischer Unsicherheit erleben und Passagiere weltweit davon betroffen sind.“ Die VC hatte lediglich Flüge in den Nahen Osten von ihrer Streikdrohung ausgenommen.
Der Gewerkschaft bot Niggemann erneut Gespräche über eine Gesamtlösung an. „Vielmehr sollten wir, statt die Entwicklungsmöglichkeiten der Lufthansa Classic durch Streiks weiter zu verschlechtern, Gespräche über die Modernisierung und die zukünftige Flottengröße aufnehmen, was sich direkt und unmittelbar auf die Karriereperspektiven von Piloten auswirkt.“
Kunden der Lufthansa werden automatisch benachrichtigt, sollte ihr Flug betroffen sein, kündigt die Lufthansa an. „Wir setzen alles daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“MM/DPA