Abräumerinnen bei der Wahl

von Redaktion

Sie bleibt Rathaus-Chefin: Claudia Streu-Schütze holte in Emmering starke 94,5 Prozent der Stimmen. © Stefan Rossmann

Andechs/Emmering/Bad Tölz – Sich gegen Männer zu behaupten, ist für Elisabeth Egger keine neue Herausforderung. Sie ist Malermeisterin und Restauratorin und musste schon auf manch einer Baustelle zeigen, dass sie genauso viel kann wie ihre männlichen Kollegen. Bald wird sie das auch im Tölzer Stadtrat tun. Sie ist eine der neun Frauen, die einen der 24 Plätze ergattert haben. Und die 27-Jährige hat mit ihrem Wahlergebnis sogar einige Kandidaten auf der CSU-Liste überholt. „Ich stand auf Listenplatz 5 und habe mich auf den zweiten Platz hochgearbeitet“, sagt sie nicht ohne Stolz. Allerdings glaubt sie nicht, dass es dabei eine Rolle gespielt hat, dass sie eine Frau ist. „Eher, dass ich relativ jung bin und aus dem Handwerk komme.“ Für die Themen junger Menschen will sie sich im Stadtrat starkmachen, kündigt sie an. „Wir müssen sie in unserer Stadt halten.“

Auch in vielen anderen bayerischen Stadt- und Gemeinderäten ziehen in wenigen Wochen neue Politikerinnen ein. Wie viele es genau sind, ist noch nicht ermittelt. Die Auswertung werde noch einige Wochen dauern, heißt es vom Landesamt für Statistik. Vor der Wahl lag der Anteil der bayerischen Rathaus-Chefinnen bei nur zehn Prozent. In Bayerns Gemeinderäten lag der Frauenanteil zuletzt bei 22 Prozent. Aber schon jetzt ist klar, es gibt auch Gemeinden, in denen es ganz anders aussieht: In Inning am Ammersee werden die Frauen künftig sogar in der Überzahl sein. Sie holten zehn der 16 Sitze im Gemeinderat. Und in Andechs (Kreis Starnberg) gibt es zumindest in den Reihen der CSU eine kleine Sensation: Erstmals hat eine Frau ein Mandat ergattert. Die 31-jährige Anna Fendt hat 807 Stimmen bekommen. „In meiner Partei ist man sich nicht ganz einig, ob es Jahrzehnte her ist, dass es in Andechs eine CSU-Gemeinderätin gab – oder ob das noch nie passiert ist“, sagt sie. Erklären kann sich Fendt das nicht. Bei dieser Wahl standen drei Frauen auf der Liste der CSU – sie ist die einzige, die ein Mandat bekommen hat. Insgesamt sitzen drei Frauen im Andechser Gemeinderat – neben 13 Männern. „Grundsätzlich finde ich ja, Frauen gehören überallhin“, sagt Fendt und lacht. Ein Gemeinderatsmandat sei aber ein Ehrenamt. „Und es ist immer eine tolle Sache, wenn sich jemand dafür bereit erklärt – egal ob Mann oder Frau.“ Anna Fendt will sich vor allem für Familienpolitik starkmachen, sie hat selbst ein Kind. „Kann schon sein, dass einige noch etwas genauer hinschauen werden, weil ich die erste CSU-Gemeinderätin bin“, sagt sie. Nervös mache sie das aber kein bisschen.

Claudia Streu-Schütze (FWG) hat bereits das zweite Mal eine Wahl gewonnen. Sie ist seit sechs Jahren Bürgermeisterin von Emmering im Landkreis Ebersberg. Aber dieses Mal hatte sie am Wahlabend Gänsehaut, erzählt sie. Wegen ihres Ergebnisses: 94,5 Prozent hat sie bekommen. „Ich bin immer noch ganz gerührt über diese schöne Bestätigung für meine Arbeit“, sagt sie. Die 50-Jährige war dieses Mal die einzige Kandidatin. Vor sechs Jahren musste sie sich gegen zwei Männer behaupten. Damals sei ihre Nervosität natürlich größer gewesen. Claudia Streu-Schütze hat versucht, auch andere Frauen zu ermutigen, in die Kommunalpolitik zu gehen. Häufig denken Frauen, sie können das nicht, berichtet sie. Es würde sie freuen, wenn ihr Wahlergebnis die eine oder andere ermutigen kann, es bei der nächsten Wahl auch zu probieren. Ein Gemeinderat sollte im besten Fall schließlich ein Querschnitt der Gesellschaft sein, findet sie.

Etwas schmunzeln musste sie, als sie erfahren hat, dass jemand händisch Donald Trump auf einen Wahlzettel geschrieben hatte, statt ihren Namen anzukreuzen. „Das nehme ich mit Humor“, sagt sie. „Wer kann schon von sich sagen, dass er Donald Trump haushoch geschlagen hat?“ Die vierfache Mutter ist überzeugt: Frauen in der Kommunalpolitik machen ihre Arbeit nicht besser als Männer. „Aber anders.“ Sie haben einen anderen Führungsstil, überlegen vielleicht etwas länger, bevor sie etwas sagen, sagt Streu-Schütze. Das glauben auch die beiden neuen Stadt- und Gemeinderätinnen aus Bad Tölz und Andechs. „Männer sind impulsiver, Frauen hören besser zu“, sagt Elisabeth Egger. „Sie hören empathischer zu“, sagt Anna Fendt.

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