In den Textnachrichten, die während der vergangenen zwei Wochen ausgetauscht wurden, kommt ein Wort in vielen Varianten vor: Festsitzen. Von Dubai, Abu Dhabi und Riad aus ging die Meldung nach München, von Neuseeland nach Frankfurt, von Tansania nach Singapur oder aus Thailand ins Olympiadorf. Überall kam jemand nicht mehr vom Fleck und berichtete Familie und Freunden. Umgekehrt wurde besorgt gefragt: „Wo seid ihr? Steckt ihr fest?“ Unbeweglich zu sein, ist kein schönes Gefühl. Auch nicht, in Sozialen Netzwerken zu lesen, man sei eben dämlich, wenn man ins Ausland fährt, statt im Lande zu bleiben. Reisen bildet – die Schreiber solcher Zeilen allerdings nicht.
Das Kriegsgeschehen im Nahen Osten betrifft in erster Linie die Länder, die darin verwickelt sind, Menschen, die dort leben und leiden. Ihnen muss das Mitgefühl gelten. Daneben machen Urlauber und Geschäftsreisende Erfahrungen, die tief gehen. Sie kommen erst mal nicht mehr nach Hause oder dorthin, wohin sie eigentlich wollten. Sie sitzen fest. Zugleich ist deswegen vieles andere in Bewegung: Preise für Flugreisen und Quartiere schießen ins Astronomische. Wohlhabende Menschen verlassen ihre unter Beschuss stehende Heimat, weil sie nicht daran glauben, dass „das alles“ schnell vorbei ist.
Eher selten ist Preisstabilität zu erkennen oder gar die freundliche Bereitschaft, in der Welt gestrandeten Menschen Nachlass zu gewähren. Das gibt es, aber nicht häufig. Wer lange hingespart hat auf den Traumurlaub und nun nicht weiß, wie er oder sie die Kosten für die weitere Unterkunft und eine teure Heimreise aufbringen soll, kann schon mal verzagen. Diese tatsächliche oder scheinbare existenzielle Angst und Sorge setzt sich auch fest. „Are you lost?“, wurden wir einmal in einem Urlaub gefragt, weil wir uns – offenbar irritiert – umschauten. Das war eine weniger dramatische Situation, als sie manch einer derzeit erlebt. Festsitzen, das Gefühl haben, I‘m lost, ich bin verloren, ist arg.
Es gibt keine einfache Lösung, um sich selbst wieder aufzuhelfen. Nur ein paar kleine, simple Tipps könnten für den Anfang helfen. Erst einmal tief atmen und sich auf Dinge konzentrieren, die man sehen, hören, riechen, schmecken und berühren kann. Das stärkt die Sinne. Sich kurz Zeit nehmen, um wertfrei Gedanken und Gefühle aufzuschreiben, die man gerade hat. Auf diese Weise wird der Kopf aufgeräumt. Kleine Aufgaben lösen, wenn man große gerade nicht schafft. So wird man wieder selbstsicher. Mit vertrauten Menschen reden. Sich gemeinsam daran erinnern, dass man schon öfter komplexe Situationen bewältigt hat. Und für die Menschen beten, die gerade im Nahen Osten zwischen Angst und Hoffnung leben.
Festsitzen. Ich kann das nicht leiden. Darum bewege ich mich jetzt mal. Und wenn es nur meine üblichen fünf Kilometer sind.