Eltern könnten ihren Kindern zukünftig mehr Fahrpraxis ermöglichen. © Sladic/Getty
München – Wer seinen Führerschein macht, muss tief in die Tasche greifen. Die Kosten für Fahrschule und Prüfung sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. 2025 bezahlten Fahrschüler laut dem Bundesverkehrsministerium durchschnittlich rund 3400 Euro. Das Ministerium reagierte mit Reformvorschlägen. Unter anderem sollen Eltern Fahrstunden geben können. Die Grundidee: mehr Fahrpraxis für die Fahrschüler. Ende März muss die Verkehrsministerkonferenz den Plänen zustimmen.
Aus Bayern kommt bereits Unterstützung. Klaus Holetschek, Chef der CSU-Landtagsfraktion, betont: „Wenn solche Modelle dazu beitragen, Kosten zu senken und Wartezeiten zu verkürzen, sollte Bayern sie testen.“ Fahrstunden mit Eltern dürften aber „kein Ersatz für den Fahrlehrer, sondern ein sinnvolles Zusatzangebot“ sein.
Die sogenannte Laienausbildung ist in Österreich schon Praxis. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zieht nach. Maximal zwei „nahestehende Personen“ sollen die Fahrschüler begleiten dürfen. Dafür müssen sie seit mindestens sieben Jahren einen Führerschein besitzen. Und auch für die Fahrschüler gelten Regeln: Theorieprüfung und sechs Fahrstunden müssen sie bereits gemeistert haben. In Österreich fahren Eltern und Fahrschüler mit einer blauen Tafel und weißem L, in Deutschland müsste das Auto ebenfalls gekennzeichnet sein. Die Neuerung würde zunächst einer „Experimentierklausel“ folgen. Die Laienausbildung „wollen wir nicht direkt in den Regelbetrieb überführen“, sagte Schnieder. Für fünf Jahre könnten sie die Bundesländer zunächst testen.
Weitere Reformen sollen den Führerschein günstiger und digitaler machen. Fahrstunden per App, weniger Sonderfahrten oder kürzere Fahrprüfungen könnten Realität werden. „Es ist richtig, dass der Bund das Thema endlich anpackt“, meint Holetschek. Vor allem für Menschen auf dem Land, wo der ÖPNV oft schwächelt, sei der Führerschein wichtig, um zum Arzt oder zur Arbeit zu fahren. „Der Führerschein darf kein Luxusgut werden.“ Seine Fraktion stellte bereits 2024 gemeinsam mit den Freien Wählern einen Antrag auf weniger Kosten für den Führerschein.
Kritik kommt von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Deren Vizevorsitzender Kurt Bartels bezeichnete die Pläne als „Frontalangriff auf die Verkehrssicherheit“. Über die Fahrstunden mit Eltern sagt er: „Wenn Laien Laien ausbilden, kommen Laien dabei heraus.“ Holetschek versichert, er nehme die Bedenken der Verbände ernst. Auf ausgebildete Fahrlehrer dürfe nicht verzichtet werden: „Sicherheit bleibt für uns in jedem Fall die rote Linie.“ Der Verband kritisiert auch andere Reformpläne. Weniger Sonderfahrten seien bedenklich – vorrangig auf Autobahnen und Landstraßen würden Unfälle passieren.
Ende März 2026 entscheiden die Verkehrsminister der Länder über die Reformen. Ein entsprechendes Gesetz tritt frühestens 2027 in Kraft.LILLI SCHAULE