Storchennest auf Bahnmast darf bleiben

von Redaktion

Wie ein Dorf bei Ebersberg einen Nistplatz rettete – DB-Mitarbeiter kapitulieren

Heikler Nistplatz auf dem Strommasten: Der Storch schafft Material für ein neues Nest heran. © Stefan Roßmann

Ebersberg – Es war fast ein Volksaufstand: Gefühlt das halbe Dorf Langwied bei Ebersberg lief am Freitag auf einer Wiese zusammen, umringte einen Strommasten der Deutschen Bahn. Der Grund: Hoch oben war ein Storchenpaar mit dem Nestbau beschäftigt. Erst am Dienstag hatte ein Team des Konzerns das Nest mit behördlicher Genehmigung geräumt. Doch die Vögel waren bald wieder da und fingen mit dem Bau von vorn an. Als die Bahn am Freitag erneut anrückte, sprach sich das schnell herum. Erst rückten die Mitarbeiter einer nahen Kunstschmiede an, ihre Chefs vorneweg. „Wenn du jemandem einfach sein Haus wegreißt, was meinst, was da los ist?“, ärgerte sich einer. Vom nahen Fitness- und Küchenstudio, vom Steinmetzbetrieb und von der Kläranlage gegenüber stießen Leute dazu. Zwei Frauen aus dem nahen Oberndorf, per Handy alarmiert, stellten sich mit auf die Wiese. Josef Biesenberger, Kreis-Chef des Bund Naturschutz, eilte herbei und hielt ein Storchen-Kurzreferat.

Bald wurde es den beiden Bahnmitarbeitern, einer mit Klettergurt, zu viel. Sie telefonierten mit ihren Auftraggebern. Und kapitulierten schließlich: Das Storchennest darf diese Saison über bleiben. Der Kompromiss: Die Leute von der nahen Schmiede behalten das Nest im Auge, damit nichts passiert. Auf dem Dach einer Betriebshalle richtet die Schmiede einen Ersatznistplatz ein – für nächstes Jahr. Klappt alles, gibt es ein Fest.JA

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