Bahn bleibt im Krisenmodus

von Redaktion

Gipfel mit DB-Chefin Palla: Streichung von Zugverbindungen möglich

Zu Gast in München: Bahnchefin Evelyn Palla, dahinter Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). © Wunderlich/dpa

Sanierung allerorten: Ein Zweiwegebagger steht auf einem Gleisabschnitt der Ausbaustrecke Nürnberg–Bamberg bei Strullendorf. © Ardan Fuessman/pa

München – „Jetzt ham mas“, freute sich Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) nach einem kurzen Auftritt von Bahnchefin Evelyn Palla gestern im Bayerischen Landtag. Palla war auf Einladung des Landtags gekommen, um über den schlechten Zustand des Bahnnetzes in Bayern mit den Abgeordneten zu diskutieren – und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ein Problem bisher: die geplante Sanierung der 55 Kilometer langen Bahnstrecke München-Ost bis Rosenheim.

Eigentlich wollte die Bahn die Strecke ab Grafing vom 21. Januar bis 23. Juni 2028 komplett sperren. Davor warnen sowohl das bayerische Verkehrsministerium als auch die bayerische Wirtschaft und Bahnbetreiber wie die Bayerische Regiobahn oder die Westbahn, die die Strecke häufig nutzen. Jetzt ist die Bahn offenbar zu einem Kompromiss bereit, was Bernreiter sichtlich freute: Die Strecke soll wohl nicht mehr fünf Monate in einem Rutsch gesperrt werden, sondern nur in Etappen von eventuell zwei Monaten. Details sind noch offen, sie muss der Chef der DB InfraGo, Philipp Nagl, mit seinen Fachleuten aushandeln.

Es war der erste öffentliche Auftritt von Bahnchefin Evelyn Palla in München – doch große Versprechungen konnte sie gestern nicht machen. Auf Einladung der Landtags-Verkehrspolitiker diskutierte sie erst drei Stunden lang hinter den verschlossenen Türen des „Weiße-Rose-Saals“ mit den Abgeordneten über das marode bayerische Bahnnetz – um anschließend vor der Presse zu verkünden: Es wird erst mal nicht besser. Die Sanierung der Infrastruktur könne „nicht von heute auf morgen“ gelingen, es sei „Durchhaltevermögen“ gefragt. Die Bahn müsse „raus aus dem Krisenmodus“.

So oder so ähnlich hat man es freilich schon öfter gehört. Intern sei intensiv, aber ohne Streit diskutiert worden, berichten Teilnehmer. Fachleute vom Chef der Bahngesellschaft Arverio bis hin zu Pro Bahn und den Bahn-Gewerkschaften stellten ihre Positionen dar. So wandte sich Uwe Böhm, Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL in Bayern, energisch gegen den Vorschlag der Bahn, zur Entlastung des Netzes einzelne Zugverbindungen zu streichen. Das, so Böhm, müsse doch „sehr kritisch betrachtet werden“. Anders Jürgen Baumgärtner, CSU-Politiker und Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Landtag. „Sie werden uns auch als Partner an Ihrer Seite finden, wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass wir möglicherweise Knotenpunkte entlasten müssen“, sagte der oberfränkische Landtagsabgeordnete an Palla gewandt. „Was möglicherweise auch dazu führt, dass wir den einen oder anderen Zug streichen müssen.“ Verkehrsminister Bernreiter will das jedoch nach Möglichkeit verhindern. „Ich habe keinen Plan, wie viele Züge wir streichen, darum geht‘s eigentlich nicht.“ Eine definitive Aussage der DB gab es bei der Pressekonferenz nicht, diese soll erst Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche kommen, wenn eine Task-Force der Bahn dem Bundesverkehrsministerium Bericht erstattet.

Auch IHK-Chef Manfred Gößl meldete sich zu Wort via Mitteilung: Er nahm Bezug auf den Bericht unserer Zeitung über die Streichung von S-Bahn-Verbindungen, vorwiegend frühmorgens oder nachts. Das sei „untragbar“, so Gößl. Mit den Milliarden aus dem Sondervermögen des Bundes müsse es doch möglich sein, die Bahn auszubauen.

Hingegen warnte Markus Büchler (Grüne) vor einem „Ping-Pong-Spiel“: Mal werde auf den Bund verwiesen, mal auf die Länder, mal auf die Union, mal auf die SPD. Er habe diese Ausreden satt, sagte Büchler vor Journalisten. Bayern müsse neben dem Bund auch selbst Geld in die Hand nehmen für den Schienenausbau. Ein Beispiel sei die eingleisige Strecke München–Mühldorf, die dieses Jahr „baureif“ werde. Doch noch sei das Geld nicht vorhanden.DIRK WALTER

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