Kriminalität sinkt auf Stand von 1978

von Redaktion

Deutlich weniger Gewalttaten in Bayern – Sorgen bereiten aber die Schock-Anrufe

Kontrollgang: Polizisten auf dem Münchner Oktoberfest. Die Zahl der Straftaten ist in Bayern im vergangenen Jahr aber deutlich zurückgegangen. © Balk/dpa

München – Man konnte es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ansehen, wie gern er diese Statistik präsentierte: Die Kriminalität in Bayern ist nicht nur erneut zurückgegangen, die Sicherheitslage ist sogar so gut wie seit dem Jahr 1978 nicht mehr. „Diese Zahlen sind ein klares Zeichen: Unsere Sicherheitsstrategie greift.“ Demnach gibt es weniger Körperverletzungen, weniger Morde, weniger Diebstähle und weniger Betrug. Bei letztem Deliktfeld zeigt sich aber: Weniger Fallzahlen bedeuten nicht gleich eine Trendwende. Im Gegenteil: Die Schadenssummen, die Herrmann beim Callcenterbetrug aufgezeigt hat, sprengen Grenzen.

33,3 Millionen Euro Betrugs-Schaden

Grundsätzlich gilt: Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte ist im vergangenen Jahr um 4058 auf 100.711 gesunken. Nicht aber beim Phänomen Callcenterbetrug, bei dem ein „deutlicher Anstieg der Fallzahlen“ zu beobachten sei. Die Schadenssumme bei der Masche „falsche Amtsträger“ – also falsche Polizisten, Ärzte oder Staatsanwälte – stieg um fast fünf Millionen auf 8,6 Millionen Euro. Im Bereich Schockanruf ist die Beutesumme noch gewaltiger: 24,4 Millionen Euro. Diese Taten, bei denen vor allem Senioren um ihr Erspartes gebracht werden, nannte der Innenminister „gemein und verabscheuungswürdig“.

Zweites Problemfeld sind die Einbrüche. Die Zahl der Taten steigt seit dem Pandemie-Knick kontinuierlich an und lag im vergangenen Jahr mit einem Plus von 5,6 Prozent bei 3806. Vergleicht man diesen Wert mit Höchstständen aus der Vor-Corona-Zeit, zeigt sich: 2016 gab es zwar fast doppelt so viele Fälle. Mit 2,9 Millionen war die Beute 2025 aber genauso hoch wie vor zehn Jahren. Wenn man so will, haben die Täter ihren Arbeitsaufwand halbiert – bei gleicher Ausbeute.

Weitere Auffälligkeiten auf der Negativ-Seite der Statistik: Im Bereich der Rauschgiftkriminalität gibt es mit einem Minus von 27,3 Prozent zwar einen deutlichen Rückgang der Fälle auf 22.631. Zugleich ist die Zahl der Drogentoten um 33 auf 247 gestiegen. Allein 23 Menschen kamen ums Leben, weil sie sogenannte „neue psychoaktive Stoffe“ konsumiert hatten. Dazu gehören „Forschungschemikalien“, die frei im Internet verkauft werden. Laut Herrmann führen schon geringe Überdosierungen dieser Stoffe zu schweren Schäden oder dem Tod. „Daher wird dringend davor gewarnt, derartige Chemikalien einzunehmen.“

Negativ ist auch der Trend bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Zahl der Fälle ist auf 17.956 gestiegen, was einem Plus von 2,4 Prozent entspricht. Besonders drastisch ist der Anstieg mit 27,6 Prozent bei Besitz und Beschaffung von Kinderpornografie. 2249 Fälle wurden registriert. Wie Landespolizeipräsident Michael Schwald erklärte, kommt bei den Ermittlungen Künstliche Intelligenz zum Einsatz: „Wir müssen Daten im Terabereich auswerten.“ Laut Herrmann ist die Bayerische Polizei grundsätzlich „intensiv“ damit beschäftigt, den Einsatz neuer technischer Möglichkeiten auszubauen. „Wir sind da erst am Anfang.“

Erneuter Rückgang der Straftaten im Freistaat

Das Fazit zur Kriminalitätsstatistik zeigt bei den Straftaten im Freistaat ein Gesamt-Minus von 4,3 Prozent auf 542.414 Fälle. Zugleich stieg die Aufklärungsquote auf 66 Prozent. „Das ist eine großartige Bilanz, die alle Behauptungen von einer dauernden Zunahme widerlegt“, sagte Herrmann mit Blick auf anhaltende Vorwürfe vor allem vom rechten politischen Rand. Ähnlich bewerten die Landtags-Grünen die Statistik, die „eine gute Nachricht für die Sicherheit in unserem Land“ sei. „Vor diesem Hintergrund ist es fehl am Platz, mit immer neuen Alarmmeldungen Angst zu schüren.“NADJA HOFFMANN

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