Wunderwelt Würm

von Redaktion

39 Kilometer Heimat: Friedrich Klütsch hat eine Dokumentation über den Fluss gedreht

Beim Quellritual: Dreharbeiten für den Film „Welt an der Würm“. © Privat (3)

Regisseur Klütsch drehte zu jeder Jahreszeit – und auch unter Wasser.

Handwerk an der Würm: Besuch bei der Kerzenzieherei Sankt Hiob in Obermenzing.

Erholungsort: Zwei Radfahrer pausieren an der Würm bei Gauting. © Babbar/IMAGO

München – Friedrich Klütsch hat schon viel gesehen: Egal ob in Afrika, in Arabien oder im Orient – als Filmemacher und Drehbuchautor entdeckt er mit der Kamera die große Welt. Doch nicht immer muss er dafür ins Flugzeug steigen. Denn manchmal ist das Kleine so viel größer, als man es sich auf den ersten Blick vorstellen kann – und das Ferne findet man ganz in der Nähe. Genau darum geht‘s in seiner Dokumentation „Welt an der Würm – Fremde Heimat“.

Friedrich Klütsch lebt selbst in München-Obermenzing nahe der Würm, die Doku ist sozusagen eine Expedition direkt vor seiner Haustüre. Der erste Dreh war schon im Jahr 2009. Die Idee für den Film hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Während der Lockdowns in der Corona-Zeit war das Reisen als Filmemacher nicht möglich. „Also bin ich vor Ort mit meinen Gerätschaften aufs Fahrrad gestiegen und habe gefilmt“, erzählt der 68-Jährige. „Die Würm war mein Revier. Ich habe mir mit dem Film selbst ein Stück Heimat erarbeitet.“

Ein Thema, das der gebürtige Kölner in dem Kinofilm im Breitbandformat immer wieder aufgreift. „Der Fokus liegt auf der Frage, wie Heimat entsteht“, erzählt er. Was gehört hierher? Was ist fremd? Was bedeutet es, irgendwo heimisch zu werden? Und wie gehen wir mit etwas Neuem um? Das alles beschäftigt Klütsch.

Die Zuschauer können sich nicht nur auf beeindruckende Naturaufnahmen, sondern auch auf ungewöhnliche Begegnungen mit Menschen freuen, die an der Würm wohnen oder arbeiten. Es stellt Orte vor, die normalerweise selbst für Einheimische verborgen sind. Und es wird deutlich, wie eng die große Welt und die kleine Würm miteinander verwoben sind: „Viele globale Einflüsse spiegeln sich an der kleinen Würm“, berichtet Klütsch. „Es gibt so viele Entdeckungen, die man machen kann, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist.“

Er war zum Beispiel dabei, als bei einer buddhistischen Zeremonie Jungfische in der Würm ausgesetzt wurden, oder hat mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland gesprochen. Die Vogelkundlerin Dr. Auguste Prinzessin von Bayern gab ein Interview und die Macher der BR-Vorabendserie „Dahoam is Dahoam“ zeigten die Studios in Dachau. „Ich habe mir viel Zeit genommen, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen“, sagt Klütsch.

Die Dokumentation funktioniert ohne einordnende Hintergrundkommentare. „So können die Zuschauer meinen Lernprozess nachvollziehen und gehen selbst auf Entdeckungsreise“, erklärt er.

Doch was bedeuten denn nun Heimat und Fremde? Dazu hat am Ende Komödiant Karl Valentin das letzte Wort, der selbst ebenfalls an der Würm gewohnt hat: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde – und zwar nur so lange, bis er sich nicht mehr fremd fühlt.“CLAUDIA SCHURI

Hier läuft der Film

Friedrich Klütschs „Welt an der Würm“ läuft beispielsweise am 22. März um 11 Uhr und am 6. April um 15 Uhr im Breitwand-Kino Gauting. Oder im Breitwand Starnberg am 22. März um 17 Uhr und am 23. März um 19.30 Uhr.
Weitere Details zur Dokumentation und viele weitere Informationen unter www.welt-an-der-wuerm.de.

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