Habt ihr auch Freunde, mit denen ihr lacht, streitet, träumt und ohne die sich selbst der schönste Tag ein bisschen leer anfühlt? Im Herbst habe ich gemerkt, wie wichtig solche Freunde sind. Und das kam so: Der nahende Winter war nass, der Wind pfiff über den See, und ich hatte ehrlich gesagt genug vom Wetter in Bayern. „Ich fliege in den Süden“, schnatterte ich eines Morgens trotzig. „Du bist doch keine Zugente“, brummte Waldemar. „Manchmal muss man Neues wagen“, quakte ich entschlossen.
Am nächsten Tag schloss ich mich einem Schwarm Wildgänse an. Sie flogen in einer großen V-Formation nach Südwesten. Als wir über weite Weinberge flogen, musste ich an Agnes denken. Sie hätte jetzt sicher etwas Kluges über Klimazonen erzählt – und sich dabei ihre Brille zurechtgeschoben. Wir landeten für einen Zwischenstopp. Es war warm. Kein Nachtfrost. Kein Eis. Und trotzdem fühlte sich etwas kalt an. Abends saß ich allein auf einer fremden Palme. Da verstand ich etwas: Wärme kommt nicht nur von der Sonne.
Am nächsten Morgen drehte ich um. Der Rückflug war anstrengend, so ganz allein. Aber als ich wieder über die Alpen kam und schließlich den vertrauten See unter mir glitzern sah, wurde mir ganz warm ums Herz. „Na schau an“, brummte Waldemar, als ich landete. „War’s dir zu heiß?“ Ich schüttelte die Federn. „Vielleicht“, quakte ich. „Oder vielleicht habe ich gemerkt, dass mit Freunden und Familie selbst der kälteste Winter erträglich ist.“
Eure Paula