Die wilde Flucht der Automatensprenger

von Redaktion

Verfolgt von der Polizei verursachte Niederländer einen Unfall – Prozess in Traunstein

Völlig demoliert stoppte das Fluchtfahrzeug schließlich auf einem Erdwall bei Marktl am Inn. © fib/Ess

Marktl – Es war eine wilde Flucht mit Tempo 220: Ein mutmaßlicher Geldautomatenknacker aus den Niederlanden muss sich derzeit vor dem Landgericht Traunstein verantworten – allerdings nicht wegen Bankraubs, sondern wegen eines Horrorunfalls, den er im Zuge seiner Flucht vor der Polizei im Mai 2025 bei Marktl verursachte. Der 37-Jährige soll zusammen mit mehreren Komplizen zuvor bei Gmunden im Salzkammergut versucht haben, einen Geldautomaten zu sprengen.

Auf der Flucht mit einem hochtourigen Mietwagen BMW X1 führte der Weg nach Bayern, wo die von den österreichischen Kollegen informierte bayerische Polizei schon wartete. Stoppen konnten sie den Wagen aber nicht. Mit fast 220 km/h jagte der BMW über die Bundesstraße B20 in Richtung A94. Doch an einem Kreisverkehr bei Marktl war Schluss. 120 Meter vor dem Kreisel überholte der Angeklagte noch mal und gab wieder Vollgas. Dann verlor er die Kontrolle. Mit etwa 120 km/h, so ergaben Berechnungen der Gutachten, prallte der Wagen gegen einen Geh- und Radweg und landete in der Böschung. Der Fahrer, ein Mann aus Utrecht, wurde ebenso wie seine beiden Begleiter im Auto lebensgefährlich verletzt.

Der Prozess startete unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Maskierte SEK-Beamte der Zentralen Einsatzdienste in Traunreut waren vor Ort. Justizwachtmeister durchsuchten das Gepäck der Zuhörer und sogar der drei Sachverständigen und der Verteidigerin. Vor Gericht gestand der Angeklagte gestern, er sei „unter enormen Stress“ gestanden und habe sich der Polizeikontrolle entziehen wollen. Die Untersuchungshaft sei die schwerste Zeit seines Lebens gewesen – auch wegen der Schwangerschaft seiner Frau. Er wolle „mit der schrecklichen Tat abschließen und Deutschland verlassen“, zitierte die Anwältin den Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.KD

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