Lufthansa will in München wachsen

von Redaktion

Die Visionen von Spohr: Weiteres Terminal und 3. Startbahn – Kritik der Grünen

Im Osten des Flughafens könnte der T-Stiel als Queranbau an den Satelliten entstehen (siehe Grafik). © Michael Fritz/FMG

München – Die Blasmusik spielte, Finanzminister Albert Füracker (CSU), der auch als Heimatminister fungiert, hielt eine Rede – und dann kam Carsten Spohr. Der Vorstandschef der Lufthansa AG mit weltweit 110.000 Mitarbeitern begrüßte die 400 Gäste in der Münchner Residenz mit „liebe Kunden“ und lieferte ein Feuerwerk an Visionen und konkreten Plänen.

Am wichtigsten wohl aus Münchner Sicht: Die Lufthansa, viertgrößte Airline der Welt, will weiter am Flughafen München investieren. Der sogenannte T-Stiel rückt in Sichtweite. Gemeint ist ein Anbau am Satellitengebäude von Terminal 2. Der Satellit ist seit 2016 in Betrieb. Jetzt ist er mit jährlich bis zu elf Millionen Passagieren offenbar ausgelastet. Erste Pläne, ihn zu erweitern, gab es schon 2019. Die Coronakrise stoppte das. Doch im Januar dieses Jahres gab es Berichte, dass der Satellit auf dem Vorfeld des T2 nach Osten hin einen Anbau erhalten soll – aus der Draufsicht ergibt sich ein T, daher T-Stiel. Auf Anfrage des Internetmagazins aero.de bestätigte der Flughafen damals, „dass das Projekt zur Erweiterung des T-Stiels am Satellitengebäude von der FMG und der Lufthansa wieder aufgenommen wurde“. FMG ist die Flughafen München GmbH, das Projekt soll also offenbar wieder wie das T2 ein Joint Venture mit der Lufthansa werden. Es ist nur ein Satz von Spohr beim Heimattag am Dienstagabend, der dazu aufhorchen ließ. Die Lufthansa könne sich am Satellit „eine Erweiterung vorstellen“. Näheres könnte nächsten Montag folgen. Dann findet am Flughafen ein Festakt zu 100 Jahre Lufthansa statt.

München ist neben Frankfurt das zweite Drehkreuz der Lufthansa, und es wird offenbar immer wichtiger. Im September soll der erste A350-1000 nach München ausgeliefert werden, ein neues Großraumflugzeug. Die Hälfte der Lufthansa-Passagiere sei unter 40, von Flugscham keine Spur, „das war ein Schlagwort von wenigen für wenige“. Auch an der 3. Startbahn muss der Flughafen nach Ansicht von Spohr unbedingt festhalten. „Wir schulden es der nächsten Generation, dass wir diese Option offenhalten.“ Minister Füracker, zugleich FMG-Aufsichtsratschef, der Spohr in einem Zweier-Gespräch interviewte, schwieg. Dafür redet der Fraktionsvize der Grünen im Landtag, Johannes Becher: „Für mich ist der geplante T-Stiel nichts anderes als ein viertes Terminal“ – nach Terminal 1 und 2 sowie dem Satelliten. „Das ist Größenwahn.“ Eine Zusatzkapazität von zehn Millionen Passagieren erhöhe den Druck, auch eine 3. Startbahn zu bauen.

In zwei Dingen ist Spohr nüchterner Realist: Erstens: Elektrisches Fliegen großer Passagiermaschinen wird sich „in den nächsten 20 Jahren“ nicht durchsetzen, da ist er sich sicher. Die Batterien sind zu schwer, die Distanzen zu lang. Zweitens: Es wird kein autonomes Fliegen geben. „Wir werden auch in 20 Jahren Piloten haben.“DIRK WALTER

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