„Reden rettet Leben“

von Redaktion

Fünf Jahre Krisendienst in Bayern

Die Kampagne startet mit Plakaten und wird unterstützt von Extrembergsteiger Alexander Huber, Mutmacherin Tina Meffert, Bezirketags-Präsident Franz Löffler, Gesundheitsministerin Judith Gerlach, Mutmacher Björn und Leitstellen-Sprecher Martin Guth (v.l.). © Bezirketag

München – Tina Meffert weiß genau, wie es sich anfühlt, in einer Krise zu stecken, aus der man sich selbst nicht befreien kann. Sie hat es geschafft. „Aber es hätte mir damals geholfen zu wissen, dass es jemanden gibt, den ich sprechen kann.“ Heute engagiert sich Meffert im Vorstand des Vereins Mutmachleute. Sie und ihre Mitstreiter wollen es erreichen, dass psychische Erkrankungen entstigmatisiert werden. Und dass Betroffene besser wissen, welche Hilfsangebote es gibt. „Es ist unglaublich mutig, sich Hilfe zu suchen“, sagt Meffert. „Reden rettet Leben.“

In Bayern gab es schon vor fünf Jahren ein Netz aus Hilfsangeboten für psychisch Erkrankte. „Aber es gab in diesem Netz auch eine große Lücke“, sagt Franz Löffler, der Präsident des Bayerischen Bezirketags. Mit dem Krisendienst ist sie geschlossen worden. Seit März 2021 ist das Angebot eine zentrale Anlaufstelle. Kostenfrei und rund um die Uhr sind die Mitarbeiter unter der Nummer 0800/655 3000 erreichbar. Sie hören zu, beraten, empfehlen ambulante Hilfsangebote in der Nähe. In großen Notlagen können sie aber auch ein mobiles Einsatzteam losschicken oder bei der Aufnahme in einer psychiatrischen Klinik helfen. Das Angebot ist bewusst sehr niederschwellig – und die Bilanz nach fünf Jahren zeigt: Es zahlt sich aus.

Im ersten Jahr waren 53.899 Anrufe eingegangen, vergangenes Jahr waren es mit 109.147 mehr als doppelt so viele. Auch die persönlichen Kriseninterventionen haben sich fast verdoppelt, 2025 rückten die Teams 4292 Mal aus, um vor Ort zu helfen. Etwa zwei Drittel der Anrufer sind weiblich. 73,4 Prozent der Anrufer steckten selbst in einer seelischen Krise. Und bei 11,3 Prozent der Hilfesuchenden spielten Selbstmordgedanken eine Rolle.

Finanziert wird das Angebot vom Freistaat (mit 67 Millionen Euro seit 2021) und von den Bezirken mit jährlich 18 Millionen Euro. Der Freistaat sei mit seinem Krisendienst bundesweit Vorreiter, betonte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Trotzdem müsse das Angebot noch bekannter werden. Auch wenn heute offen über psychische Erkrankungen gesprochen werde, sei die Hemmschwelle für einen Anruf leider oft noch hoch, betont auch Martin Gut, Sprecher der Leitstellenkonferenz der Krisendienste. Deshalb startet im April eine bayernweite Kampagne „Mut in der Krise“. Ziel ist es, das Thema weiter zu enttabuisieren und Betroffenen Mut zu machen, sich Hilfe zu holen. Alle Infos rund um die Kampagne gibt es unter www.krisendienste.bayern/kampagne-mut-in-der-krise.KWO

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