von Redaktion

„Nicht schummeln!“, schnatterte ich und versuchte, möglichst ernst zu schauen. Wir spielten „Wer blinzelt zuerst?“ – ein hochwissenschaftliches Entenspiel. Zwei Tiere starren sich an. Wer zuerst blinzelt, verliert. Klara saß mir gegenüber und versuchte tapfer, die Augen offen zu halten. Waldemar zählte laut mit. „Eins… zwei… drei…“ Ulrich krächzte vom Ast: „Das ist ja spannender als jedes Nachtjagen.“

Plötzlich begann Klara zu kichern. „Paula! Du schaust mich so an!“ „Wie denn?“, quakte ich unschuldig. „So… so… als würdest du mich die ganze Zeit ansehen. Egal, wohin ich schaue!“ Waldemar brummte: „Ja stimmt. Du hast so einen Blick wie… wie diese Mona Lisa.“ „Die was?“, schnatterte Klara verwirrt. „Ist das eine Ente?“ Agnes schob sich ihre Brille zurecht. „Nein, Mona Lisa ist ein sehr berühmtes Gemälde. Gemalt wurde es vor über 500 Jahren von einem Zweibeiner namens Leonardo da Vinci.“ „Fünfhundert?!“, quakte ich. „Und sie lebt noch?“ „Nein“, schnatterte Agnes. „Es ist ein Bild von einer Frau. Sie lächelt ganz leicht und ihre Augen wirken so, als würden sie dich überallhin verfolgen.“ „Aber warum schauen ihre Augen überallhin?“, quakte Klara.

Agnes lächelte. „Das liegt an einer besonderen Maltechnik. Leonardo hat Schatten ganz weich gemalt – das nennt man Sfumato. Dadurch gibt es keine harten Linien. Unser Gehirn ergänzt die Details selbst. Und weil die Augen frontal gemalt sind, scheint sie dich immer anzusehen, egal, wo du stehst.“

Eure Paula

Artikel 1 von 11