Sichern das Gelände: Feldjäger der Bundeswehr.
Sichten die Lage: Polizisten einer Einsatzhundertschaft.
Maximale Gefahr: Vor einem Munitionslager steht ein Wagen in Vollbrand. Die Feuerwehr schafft es, schnell zu löschen.
Panik bricht aus – aber nur im Übungs-Szenario: Nach Schüssen rennen die Menschen um ihr Leben. © Fotos: Jens Hartmann (4)
Dachau – Blutiger Angriff auf ein DefenceTech-Start-up: Gleich mehrere Täter greifen das Unternehmen an, das Drohnen für die Rüstung entwickelt: Plötzlich steht vor einem Munitionslager ein Wagen lichterloh in Flammen. In den Büros fallen Schüsse, Menschen rennen um ihr Leben. Manche werden mit einer Machete verletzt, ein Angreifer hält einen Mitarbeiter als Geisel. Ein Horror-Szenario, das in Zeiten wie diesen aber leider Realität sein könnte. Am Donnerstag war es die fiktive Grundlage für eine Großübung auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Dachau. Dort trainierten Polizei, Bundeswehr und Feuerwehr für den Ernstfall. Und das im ganz großen Stil.
„Die weltpolitische Lage hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der sich vor Ort ein Bild von der Übung macht. „Mehr denn je stehen wir vor neuen, komplexen sicherheitspolitischen Herausforderungen.“ Deutschland reagiert seit 2017 darauf mit der Übung GETEX (Gemeinsame Terrorismusabwehr-Exercise), die heuer hauptsächlich in Schleswig-Holstein stattfand. Aber auch andere Bundesländer beteiligen sich: In Bayern war das Münchner Präsidium mit der Organisation einer Übung betraut, alle Kräfte konzentrierten sich in Dachau. Dort wurde zunächst die Blockade eines Bundeswehr-Konvois durch eine Menschenmenge geprobt. Dann ging es um den Angriff auf das Drohnen-Start-up. Bei der Übung hieß es: „ein realistisches Szenario in Zeiten hybrider Kriegsführung“.
Im Einsatz dabei: Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst, eine Einsatzhundertschaft, das Unterstützungskommando USK, das Spezialeinsatzkommando SEK und die Feldjäger der Bundeswehr. 200 Beamte, die von 120 Übungshelfern der Bereitschaftspolizei unterstützt wurden. Spannend dabei zu sehen, wie die einzelnen Kräfte ineinandergreifen – bis zur Überwältigung des Täters durch das SEK. Wie Herrmann erklärt, hat die zivil-militärische Zusammenarbeit lange Tradition. „Gemeinsame Übungen stärken dieses Vertrauen und verbessern die Abläufe im Ernstfall. Wir müssen heute vernetzter denken als früher.“ Das unterstrich Bundeswehr-Oberst Knuth Jung: „Wir brauchen eine gemeinsame Sprache.“ Jeder Beteiligte, die Blaulicht-Organisationen, die Polizei und die Bundeswehr, hätte eine eigene Kommunikation. Deshalb seien Übungen so hilfreich, auch um zu sehen: „Wer tut was – und wer darf was?“
Was schiefgehen kann, hatte sich im Oktober 2025 bei einer Bundeswehr-Übung in Erding gezeigt. Bei dem Manöver im öffentlichen Raum ging das Polizeipräsidium Oberbayern Nord fälschlicherweise von einem echten Angriff aus. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem ein Soldat im Gesicht verletzt wurde. Anders das Fazit in Dachau, wo seit Montag störungsfrei geprobt wurde. Laut Herrmann wird die Zusammenarbeit immer enger und besser: „Wir sind auf einem guten Weg.“NADJA HOFFMANN