Erst raschelte nur das Schilf. Dann bogen sich die Äste. Und ein Sturm hob an. Ein Nest am Ufer kippte gefährlich zur Seite. Lose Zweige flogen durch die Luft. Und genau da passierte etwas Merkwürdiges. Ein paar Tiere huschten sofort in ihre Verstecke. „Ab in die Höhle!“, quakte jemand. „Rettet euch!“ Waldemar hingegen sprang auf. „Die Nester!“, brummte er. „Die dürfen nicht wegfliegen.“ Ich flatterte zum Ufer. „Klara, komm! Halt hier fest!“ „I-ich?“, zitterte sie. Doch sie kam. Agnes schob sich entschlossen die Brille zurecht. „Wir müssen die losen Zweige beschweren!“ Ulrich flog tiefer und rief von oben Anweisungen. Waldemar stemmte sich gegen einen Ast, der davonzurutschen drohte.
Der Sturm heulte noch eine Weile – aber irgendwann ließ er nach. Die Wolken zogen weiter. Das Schilf richtete sich wieder auf. Unsere Federn standen zwar kreuz und quer – doch die Nester waren gerettet. Aus dem Wasser tauchte Franz-Josef auf und blubberte: „Na do schaugst her… jetz hod si wieda amoi d’Spreu vom Weizn trennt.“ Klara schaute verwirrt. „Die was? Ich habe gar kein Getreide gesehen!“
Agnes lächelte. „Früher hat man beim Dreschen die Körner in die Luft geworfen. Der Wind hat die leichte Spreu weggeweht, während der schwere, wertvolle Weizen am Boden blieb.“ „Und was heißt das jetzt?“, schnatterte ich. Agnes sah über den See. „Wenn es stürmt – im Wetter oder im Leben –, merkt man, wer davonweht. Und wer bleibt und mithilft.“
Eure Paula