Der Tag der Duelle

von Redaktion

Am Sonntag Stichwahl in fast allen Großstädten und knapp der Hälfte aller Landkreise

Noch hängen die Plakate: Im Landkreis Freising kommt es zum Duell zwischen Amtsinhaber Helmut Petz (Freie Wähler) und Susanne Hoyer (CSU). © Rainer Lehmann

München – Halb Bayern schaut gebannt nach München, wo OB Dieter Reiter (SPD) und sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) bei der Stichwahl am Sonntag um den Rathaussessel kämpfen – die andere Hälfte schaut indes eher nach Nürnberg, Augsburg, Miesbach oder Freising. Es ist ein XXL-Stichwahltag mit sehr, sehr vielen Duellen. In fast der Hälfte der Landkreise und Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern muss ein zweites Mal gewählt werden. So gab es nur in fünf von 22 kreisfreien Großstädten schon im ersten Wahlgang einen Sieger. Auch in 29 der 62 Landkreise, in denen Wahlen stattfanden, wird der Landrat erst am Sonntag bestimmt. Hinzu kommen wohl hunderte Stichwahlen in kleineren Städten und Dörfern.

In den Großstädten kommt es meist zum Duell CSU gegen SPD: In Nürnberg etwa, wo der amtierende OB Marcus König (CSU) im ersten Wahlgang weit vor Nasser Ahmed (SPD) lag und favorisiert ist – unter anderem weil die Grünen, mit der SPD wegen des Ausbaus des Frankenschnellwegs im Clinch, keine Wahlempfehlung abgaben. Auch in Augsburg ist Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) gegenüber ihrem Herausforderer Florian Freund (SPD) in der Pole-Position. In Regensburg könnte mit Astrid Freudenstein (CSU) wieder eine Frau das Rathaus erobern – allerdings kann sich Thomas Burger (SPD) auf die Unterstützung der in der Donaustadt starken Grünen verlassen. Auch Volt, Brücke, ÖDP und zwei weitere kleine Gruppierungen haben sich für Burger ausgesprochen. Eines der Wahlkampfthemen hat auch überregional Schlagzeilen gemacht: die Zukunft des leer stehenden Kaufhof-Gebäudes. Hier gab es sogar Planungen für ein Islamzentrum. Man brauche einen „städtischen Zugriff“ auf die Immobilie, sagt Burger. In Erlangen könnte die SPD mit Amtsinhaber Florian Janik triumphieren, in Schweinfurt und Bayreuth ebenso ein Sozialdemokrat, in Aschaffenburg hingegen ein CSU-Kandidat. In Hof droht der amtierenden Oberbürgermeisterin Eva Döhla die Abwahl.

Auch für die Grünen könnte es ein guter Abend werden. Sie dürfen sich neben München auch in Bamberg Hoffnungen auf einen OB-Posten machen – ihr Kandidat Jonas Glüsenkamp lag im ersten Wahlgang vorn, während die CSU-Hoffnungsträgerin Melanie Huml schon ausgeschieden ist. Es gibt sogar gewisse Chancen, dass die Grünen einen Landratsposten gewinnen: In Landsberg hat sich der CSU-Amtsinhaber Thomas Eichinger viele Sympathien wegen eines geplanten protzigen Neubaus des Landratsamtes verscherzt. „Die Debatte um den Landratsamt-Neubau hat Vertrauen gekostet – das gestehe ich offen ein“, sagt Eichinger jetzt. Der Bau konnte durch einen Bürgerentscheid verhindert werden – fällt jetzt auch Eichinger durch? Herausfordererin Daniela Groß lag im ersten Durchgang nur knapp hinten. In Fürstenfeldbruck hat Ronja von Wurmb-Seibel (Grüne) gegen Thomas Karmasin (CSU), seit 30 Jahren im Amt und auch Präsident des Bayerischen Landkreistags, nur Außenseiterchancen. Ein CSU-Kandidat ist unter anderem auch in Rosenheim, Dachau und Weilheim-Schongau im Vorteil.

In den meisten Fällen kommt es bei den Landrats-Stichwahlen aber zum Duell CSU gegen Freie Wähler. In Oberbayern wird es in Freising, Miesbach und Bad Tölz spannend. In Freising lag Amtsinhaber Helmut Petz (FW) im ersten Wahlgang etwas überraschend gegen die bisherige Bürgermeisterin in Langenbach, Susanne Hoyer (CSU), hinten. Zu Gute kommen könnte Petz, dass auch in der Stadt Freising eine Stichwahl stattfindet, und zwar zwischen einem Kandidaten der Grünen und der Freisinger Mitte; beide Gruppierungen sind der CSU eher abgeneigt, sodass die Wählermobilisierung am Ende den Ausschlag geben könnte. Im Landkreis Miesbach, bisher CSU-regiert, lag der bisherige Haushamer Bürgermeister Jens Zangenfeind (FW) im ersten Wahlgang vorne, CSU-Kandidat Franz Schnitzenbaumer ist jetzt Außenseiter. Kopf-an-Kopf steht es im Nachbarkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zwischen Thomas Holz (CSU) und Ludwig Schmid (FW). Im Kreis Pfaffenhofen könnte Andreas Aichele (CSU), ein Polizist, am Ende dem FW-Amtsinhaber Albert Gürtner den Posten entwinden. Im Berchtesgadener Land indes ist ein Freier Wähler, der bisherige Landtagsabgeordnete Michael Koller, gegenüber Franz Rasp (CSU) leicht favorisiert.DW

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