„Wir sind mit Abstand zweitstärkste Kraft“

von Redaktion

Freie Wähler eigentlich stärker? Parteichef Hubert Aiwanger zweifelt die offizielle Wahlstatistik an

München – Die Freien Wähler gehen mit breiter Brust in die Stichwahlen am Sonntag. 23 Kandidaten habe man allein noch im Rennen um die Landratsämter, heißt es von der Partei – neun davon lägen in Führung. Auch mit Blick auf die Gremienwahlen vor zwei Wochen gibt man sich zufrieden. Von 11,9 auf 12,1 Prozent haben sich die Freien Wähler verbessert. Allerdings: Sie liegen damit – wenn auch teils knapp – hinter allen anderen Parteien, die auch im Landtag vertreten sind. Die CSU (32,5), die Grünen (13,6), die SPD (12,3) und die AfD (12,2) waren besser – zumindest offiziell. Denn Parteichef Hubert Aiwanger sieht das ganz anders. „Wir sind mit Abstand als zweitstärkste Kraft aus der Kommunalwahl hervorgegangen“, sagt er unserer Zeitung.

Der Knackpunkt liegt in der Beschaffenheit der Freien Wähler: „Aufgrund unserer traditionell gewachsenen Struktur haben wir auch viele kommunale Gruppierungen, die zu uns gehören, aber nicht auf Listenplatz 2 angetreten sind“, sagt Aiwanger. Tatsächlich ist Freier Wähler nicht gleich Freier Wähler. Ein Teil ist rein über die Partei angetreten, ein weiterer Teil ist mit einer gemeinsamen Liste aus Partei und dem seit 1978 (weit vor der Partei) bestehenden Verband freier Wählergemeinschaften angetreten, dessen Vorsitzender ebenfalls Aiwanger ist. Ein dritter Teil ist rein über den Verband angetreten. In die Wahlstatistik fließen aber nur diejenigen in das Freie-Wähler-Ergebnis ein, die direkt auf besagtem Platz 2 für die Partei ins Rennen gegangen sind. „Das macht mehrere Prozentpunkte aus, wir haben also mindestens 15 Prozent, nicht 12 wie statistisch ausgewiesen“, sagt Aiwanger. Es sei „bezeichnend, dass einige Medien diese Fakten wegrechnen wollen, ansonsten aber gerne kritische Stimmen aus kommunalen Gruppen gegen mich suchen und breittreten.“

Dass Aiwanger in der Sache zumindest einen Punkt hat, zeigt etwa das Kuriosum, dass selbst Landtagsfraktionschef Florian Streibl bei der Kommunalwahl offiziell nicht für die Partei angetreten ist. Gleichzeitig sind die Freien Wähler für die Art ihrer Organisation letztlich selbst verantwortlich. Und einige Wählergruppen legen auch explizit Wert auf ihre Eigenständigkeit. So betont zum Beispiel die „Freie Wählergemeinschaft“ im Passauer Stadtrat: „Wir sind strukturell und inhaltlich unabhängig von der Partei Freie Wähler Bayern e.V.“.SEBASTIAN HORSCH

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