Fußballtor erschlägt Siebenjährigen

von Redaktion

Tragödie vor Landesliga-Partie – Verband sagt alle Jugendspiele in der Region Erlangen ab

Zeichen der Trauer: Blumen und Kerzen liegen auf dem Sportplatz. © NEWS5/Grundmann

Ein großes Tor mit Rollen wie dieses wurde einem Kind zum Verhängnis. Hier das Vereinsgelände des FSV Erlangen Bruck. © NEWS5/Oßwald

Erlangen – Sie können nicht fassen, was am Samstagnachmittag auf ihrem Fußballplatz passiert ist. „Wir sind alle sehr geschockt. Nach dem unfassbaren Geschehnis befindet sich der gesamte Verein in tiefster Trauer“, teilt der Vorstand des FSV Erlangen Bruck e.V., Thomas Neudecker, am Sonntag mit. Am Tag zuvor war ein siebenjähriger Spieler gestorben, nachdem ein mobiles Tor auf das Kind gestürzt war. Zahlreiche Menschen versammelten sich am Sonntag auf dem Vereinsgelände. In einem kurzen Trauerakt legten sie an einer Mauer Blumen, Kerzen und Kuscheltiere nieder.

Noch ist völlig unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Wie die „Fränkische Landeszeitung“ berichtet, bereitete sich die Mannschaft des FSV Erlangen-Bruck am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr auf das Spiel gegen die SVG Steinachgrund in der bayerischen Landesliga Nordost vor. Währenddessen spielten Kinder auf einem Nebenplatz. Noch vor dem eigentlichen Spielbeginn, so berichtet das Polizeipräsidium Mittelfranken, passierte die Tragödie: Ein Tor stürzte um und verletzte den siebenjährigen Buben lebensgefährlich. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Dort kämpften die Ärzte vergeblich um das Leben des Kindes. Der Siebenjährige starb im Klinikum.

Laut Bayerischem Fußballverband ist noch unklar, ob das Kind als Spieler oder Zuschauer auf dem Vereinsgelände war. Alle für den Sonntag geplanten Spiele der Junioren auf Kreisebene im Fußballkreis Erlangen/Pegnitzgrund wurden infolge des Unglücks abgesagt. „Wir sind alle tief erschüttert und fassungslos. Uns fehlen die Worte“, schreibt der Verband. Man wolle den Fußball ruhen lassen. „Die Fußball-Familie ist in Gedanken bei all denen, die begreifen müssen, was es in dieser Stunde einfach nicht zu begreifen gibt.“ Der Vereinsvorstand teilte mit: „Der Fußball ist nun absolute Nebensache.“ Der Verein werde alles tun, um die Beteiligten zu unterstützen. „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Angehörigen, Freunden, Mitspielern und Trainern.“

Nun laufen Untersuchungen zur Unglücksursache. Derzeit würden Zeugen befragt, sagte ein Polizeisprecher. Zudem untersuche ein Gutachter auch das Tor und die Verletzungen des Kindes, um den Unfallhergang zu rekonstruieren. Auf Basis der Ergebnisse müsse dann die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Ermittlungen aufgenommen würden. Mit ersten Erkenntnissen rechnet der Sprecher erst im Verlauf der Woche.

Unfälle mit Toren kommen selten, aber immer mal wieder vor. 2013 gab es einen Fall in Hamburg, in dem ebenfalls ein Siebenjähriger durch ein umfallendes Tor erschlagen wurde. 2010 starb ein Zwölfjähriger im Münsterland. In anderen Fällen kam es zu schweren Verletzungen. 2019 hielt sich bei Donauwörth ein Sechsjähriger an der Latte eines Tores fest – es kippte um. Der Bub ließ los, aber das Tor fiel auf ihn – er verlor seine gesamte obere Zahnreihe. Beim Schulsport verletzte sich 2010 ein 14-Jähriger im Kreis Ansbach. In der Turnhalle fiel ein Hallenfußballtor um und traf den Jugendlichen am Kopf.CAZ/DPA

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