Startet voller Tatendrang: Daniela Groß ist die einzige grüne Landrätin in Bayern. © dpa
Daniela Groß hat im Landkreis Landsberg am Lech für eine echte Überraschung gesorgt. Die 37-Jährige ist erste und einzige grüne Landrätin in Bayern. Sie hat sich gegen den Amtsinhaber von der CSU mit deutlichen 61,5 Prozent durchgesetzt. Groß hat zwei kleine Töchter, bisher hat sie als Verwaltungswirtin in Türkheim gearbeitet. Das wird ihre Arbeit als Landrätin prägen, kündigt sie an. Vielleicht sogar mehr als ihre Parteizugehörigkeit.
Sie haben die Wahl deutlich für sich entschieden. Haben Sie mit einem so klaren Ergebnis gerechnet?
Ehrlicherweise dachte ich, dass es knapper werden würde. Im ersten Wahlgang waren wir ja relativ nah beieinander. Aber das klare Ergebnis war natürlich eine schöne Bestätigung.
Vor der Wahl ist in Landsberg viel über den Bau eines neuen Landratsamts diskutiert worden. Ihr Vorgänger war mit seinen Plänen bei einem Bürgerentscheid durchgefallen. War das aus Ihrer Sicht wahlentscheidend?
Nicht der Landratsamt-Neubau war in meinem Wahlkampf Thema, sondern der politische Umgang damit. Ich habe immer betont, dass ich eine Politik machen möchte, die näher an den Menschen ist. Als beim Bürgerentscheid vor einem Jahr 80 Prozent der Bürger gegen den Neubau gestimmt haben, hätte man als Landrat schon spüren können, dass man die Bürger nicht genug mitnimmt. Ich möchte bewusst auf einen anderen Stil setzen. Ich bin viel draußen, spreche mit den Menschen in ganz alltäglichen Situationen. Als Landrätin möchte ich mehr Miteinander.
Sie sind aktuell die einzige Grünen-Landrätin in Bayern. Welche Rolle spielt Ihre Partei für Sie bei Ihrer neuen Aufgabe?
Das Schöne an der Kommunalpolitik ist, dass die Bürger Menschen wählen, die sie kennen. Ich fühle mich als Landrätin eher meinem Landkreis als meiner Partei verpflichtet. Ich halte zum Beispiel einen Fraktionszwang auf kommunaler Ebene für falsch. Als Landrätin möchte ich mit allen demokratischen Kräften zusammenarbeiten und das Beste für unseren Landkreis rausholen.
Deshalb stand Ihre Partei nicht auf den Plakaten?
Genau, ich wollte, dass es um mich als Person geht. Die Partei spielt aus meiner Sicht nur eine untergeordnete Rolle.
Trotzdem hat sich Ihre Partei sehr über Ihren Wahlsieg gefreut. Gab es Glückwünsche aus der Parteispitze?
Ja, die gab es. Von der Bundesvorsitzenden Franziska Brantner und auf Landesebene von Katharina Schulze, Eva Lettenbauer und Gisela Sengl. Das hat mich natürlich gefreut.
Gibt es klassische grüne Themen, für die Sie als Landrätin stehen?
Ich stehe für bürgernahe Sachpolitik und sozialen Zusammenhalt. Ich setze mich für eine sinnvolle Nutzung des ÖPNV ein. Da muss nachgebessert werden. Außerdem kämpfe ich für ein Frauenhaus, bisher haben wir in unserem Landkreis noch keins. Aber sind das klassische grüne Themen? Ich denke eher, dass es Anliegen sind, die die Menschen parteiübergreifend ansprechen.
Aktuell arbeiten Sie noch im Ordnungsamt in Türkheim. Wie lange noch?
Das weiß ich selbst noch nicht. Ich weiß, dass es für meine Kollegen einen großen Umbruch bedeutet, dass ich jetzt ins Landratsamt wechsle. Es ist mir wichtig, dass es einen guten Übergang gibt. Aber ich werde wohl nicht bis Ende April im Amt bleiben. Ich möchte gut vorbereitet in meine neue Aufgabe starten.
Werden Sie als Landrätin von Ihrer Erfahrung in der Verwaltung profitieren?
Auf jeden Fall. Es ein großer Vorteil, dass ich die Verwaltungsabläufe auch aus der Praxis kenne. Ich habe 16 Jahre lang in unterschiedlichen Verwaltungen gearbeitet, kenne die Schwächen und Stärken. Ich weiß, dass man eine Verwaltung nicht wie ein Unternehmen führen kann.