„Einer der schönsten Arbeitsplätze Münchens“, sagt Worm selbst über den Landtag.
Fünf vor Aigner: Der scheidende Landtagsdirektor Peter Worm hat auch schon unter den Landtagspräsidenten Franz Heubl, Wilhelm Vorndran, Johann Böhm, Alois Glück und Barbara Stamm im Maximilianeum gearbeitet. © Marcus Schlaf (2)
München – Peter Worm führt in zügigen Schritten über die langen roten Teppiche, die sich auf Holzböden über die Gänge im Maximilianeum ziehen. Der Landtagsdirektor grüßt in Büros hinein, kennt den Pförtner beim Namen. Er wirkt dabei wie ein Chef, vor dem seine Mitarbeiter Respekt haben, aber keine Angst. Worm ist 68 Jahre alt, und am Donnerstag wird er verabschiedet.
Seit April 2009 ist er Direktor des Bayerischen Landtags. „Als die damalige Präsidentin Barbara Stamm mich vorgeschlagen hat, war ich überrascht, weil sie mir vorher eindeutig erklärt hat, dass für sie als Direktor nur eine Frau infrage kommt“, erinnert sich Worm. Sein Arbeitsplatz ist das Maximilianeum aber schon viel länger. 1986 trat er nach kurzen Gastspielen im Bayerischen Innenministerium und in der Regierung von Oberbayern ins Landtagsamt ein, der Präsident hieß damals Franz Heubl. Worm sollte eigentlich nur zwei Jahre bleiben – es wurden 40.
Zunächst arbeitete der Rechtswissenschaftler als Referent im Justiziariat (1986 bis 1990), dann bis 1994 als persönlicher Referent des Landtagspräsidenten Wilhelm Vorndran (CSU). Vom Referatsleiter „Plenum“ zum „ständigen Vertreter des Abteilungsleiters P – Parlamentarische Dienste“ bis zum „Abteilungsleiter Z – Zentrale Dienste“ kletterte er die Karriereleiter hoch. Auf Präsident Vorndran folgten erst Johann Böhm, dann Alois Glück, dann Barbara Stamm und schließlich Ilse Aigner – und Worm war immer mittendrin.
Insgesamt um drei Jahre hat er seinen Ruhestand auf Bitten von Ilse Aigner nach der Pandemie zuletzt noch aufgeschoben. Länger geht rechtlich nicht. Dabei hatte er bei ihrer Amtsübernahme anfangs gar nicht gedacht, dass die ehemalige Bundes- und Landesministerin Aigner ihn überhaupt behalten wolle. Aber sie wollte.
Viel ist in seiner Zeit passiert – nicht zuletzt am Gebäude, dessen aktueller großer Umbau noch mindestens bis 2031 läuft. „Ich kenne das Maximilianeum nur als Baustelle“, sagt Worm. Doch auch die Arbeit – „als ich kam, gab’s noch keine Computer“ – und das tägliche Miteinander hätten sich verändert. „Die Menschen waren früher in gewisser Hinsicht anders“, sagt Worm. „Wer hier war, war weit weg vom Stimmkreis zu Hause und konnte sich ganz auf den politischen Betrieb konzentrieren.“ Es sei auch damals schon viel Arbeit angefallen. Aber in Zeiten, in denen nicht Soziale Medien und E-Mails das Tempo vorgaben, sondern der Postweg, habe man nicht immer sofort auf alles reagieren müssen. Auch der Landtagsgaststätte sei eine besondere Rolle zugekommen. „Da wurde oft abends über Fraktionsgrenzen hinweg zusammengesessen.“
„Neutral arbeiten“, das war und ist für Worm die Maßgabe als Verwaltungschef auf einem hochpolitischen Pflaster. Persönliche Konflikte mit Politikern habe es „Gott sei Dank“ nie gegeben.
Wer sich umhört, bekommt einen Eindruck, warum. Der frühere SPD-Fraktionschef und heutige Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher bezeichnet Worm als „integre und starke Persönlichkeit“. Dieser habe „sein Amt nicht nur außerordentlich überparteilich ausgeführt, er war über viele Jahre zentrale Integrationsfigur im Landtag“. Dabei sei Worm „nie in Verdacht geraten, Diener der staatstragenden Partei zu sein“.
Florian Streibl, Fraktionschef der Freien Wähler, erinnert sich: „Egal ob wir in der Opposition waren oder jetzt in der Regierung – er ist sehr fair zu uns gewesen.“ Er habe Worm auch persönlich „immer als sehr freundlichen und korrekten Landtagsdirektor kennengelernt, den ich sehr schätze“.
Die grüne Fraktionschefin Katharina Schulze lobt Worms „Sachverstand und Menschenkenntnis“ und spricht von einer „Ära“, die zu Ende gehe: „Das wird ein Einschnitt.“
Selbst die AfD lobt Worm als „sachlich-korrekten Ansprechpartner“.
Zu seiner Verabschiedung hält Aigner am Donnerstag eine Rede. Dann übergibt er an Nachfolger Andreas Kamml.
Er geht ohne Wehmut. „Ich habe das Gefühl, dass die Zeit reif ist“, sagt Worm. Erst einmal werde sich der Ruhestand vermutlich anfühlen wie Urlaub. Seine Frau, die zwei erwachsenen Kinder, der vierjährige Enkel – da droht akut noch keine Langeweile. Aber wer weiß. Worms Frau, pensionierte Lehrerin, gibt jetzt auch wieder Nachhilfe. Landtagspräsidentin Aigner habe ihm gesagt, er könne im Maximilianeum auch als Besucherführer anfangen, erzählt er – „weil ich ein bisschen zu Ausführungen neige“. Er lacht. Nein, vermutlich eher nicht.SEBASTIAN HORSCH