Martina Mettin trägt die Fackel bei den Paralympics.
Martina Mettin stand gerade auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt, als der Anruf kam. Ob sie bei den Paralympischen Winterspielen in Italien Fackelläuferin sein wolle, wurde sie gefragt. „Ich habe sofort zugesagt“, erzählt sie. „So eine Möglichkeit hat man nur einmal im Leben. Das darf man sich nicht entgehen lassen.“ Natürlich wollte sie für diesen Moment gut vorbereitet sein. Sie las den Ratgeber für Fackelträger, sah sich die Stadt Treviso, wo das Feuer weitergegeben werden sollte, im Internet an und buchte eine Unterkunft für sich und ihre Familie. Und dann war der große Tag gekommen. Die 47-Jährige aus Forstern im Landkreis Erding erhielt die Fackelträgerkleidung. Die Straßen füllten sich immer mehr, ihr wurde laut zugejubelt, als sie aus dem Auto stieg, das sie zu ihrem Einsatzort brachte. Es fühlte sich fast unwirklich an, sagt sie rückblickend. Als ob sie sich von außen selbst beobachten würde. Als dann schließlich der Fackelträger kam und das Feuer weitergab, wollte Mettin sofort losstürmen. Doch das Paralympics-Team hielt sie zurück, es mussten erst Fotos gemacht werden. Dann trug sie die Fackel bis zur nächsten Station und übergab das Feuer erfolgreich. „Ich habe die Fackel getragen. Aber die ganze Mannschaft war im Herzen dabei“, sagt sie.
Die 47-Jährige brennt für die Inklusionsmannschaft des FC Forstern. Sie hatte bei dem Verein vor einigen Jahren als Schriftführerin begonnen und schnell ihre Begeisterung für das Team der Inklusionsmannschaft entdeckt. Das war wichtiger, als viel Ahnung vom Fußball zu haben. Ihrem Arbeitgeber, der Allianz, schlug sie vor, das Team zu sponsern. Da das Unternehmen Partner der Winterspiele Milano Cortina war, wurde sie als Fackelläuferin angefragt. Als Erinnerung erhielt sie eine Anstecknadel, die nun auf ihrem Schreibtisch liegt. Ein Andenken an einen unvergesslichen Moment.RAFFAEL SCHERER