Unmut über Flughafen-Anbau

von Redaktion

Grüne und Freie Wähler: Ministerium hält Luftverkehrsprognose unter Verschluss

Eine Visualisierung des geplanten T-Stiels am Satellitenterminal des T2. © FMG/LH

München – Eben erst hat die Lufthansa zusammen mit der bayerischen Staatsregierung den Ausbau des Flughafens München in einer Feierstunde verkündet – doch nun kündigt sich Ärger über den geplanten Bau des sogenannten T-Stiels an. Der Freisinger Freie-Wähler-Abgeordnete Benno Zierer fürchtet, dass von der Flughafen München GmbH (FMG) so der Bedarf für die 3. Startbahn geschaffen werden soll. „In der Vergangenheit haben wir in der Flughafen-Region gelernt, die Verlautbarungen der FMG grundsätzlich mit Skepsis zu begleiten“, sagte Zierer unserer Zeitung. „Den Satz ,das hat mit einer dritten Startbahn gar nichts zu tun‘, haben wir schon öfter gehört.“ Er forderte, dass das bayerische Verkehrsministerium eine neue Luftverkehrsprognose veröffentlichen müsse. Dann könne man klar sehen, ob Bedarf für diesen Anbau bestehe oder nicht. Brisant: Die Prognose gibt es offenbar bereits, wie Zierer mitgeteilt worden ist. Sie wird aber trotz mehrmaliger Forderungen aus der Region bisher unter Verschluss gehalten.

Lufthansa und Flughafen wollen den T-Stiel, einen Anbau an dem Satelliten des Terminals 2, wie berichtet bis 2035 errichten. Geplant ist eine Kapazität von zehn Millionen Passagieren jährlich. Auch der Freisinger Grünen-Abgeordnete Johannes Becher ist alarmiert. Wenn man davon ausgehe, dass der jetzige Flughafen für etwa 50 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt sei, so bedeute der T-Stiel eine Vergrößerung um ein Fünftel. Becher gestern wörtlich: „Das ist mehr als zwei Mal so viel, wie der Flughafen Nürnberg jetzt abfertigt.“ Auch Becher sowie das Anti-Startbahn-Bündnis „Aufgemuckt“ fordern, dass der Flughafen eine neue Prognose über den Luftverkehr in den kommenden zehn Jahren veröffentlichen müsse.

Die Prognose wurde bereits vom Büro Intraplan Consult erstellt, was die Startbahn-Gegner zusätzlich aufwühlt. Denn Intraplan war just das Büro, das schon 2010 eine Prognose über künftige Verkehrsbewegungen am Münchner Airport erstellt hatte, um den Bedarf für eine weitere Landebahn zu untermauern. Die damaligen Zahlen waren aber, wie sich später herausstellte, weit überhöht. 2025 wurden von Intraplan bis zu 590.000 Starts und Landungen am Flughafen angenommen. Tatsächlich gab es im vergangenen Jahr nur gut die Hälfte, 337.000 Flugbewegungen.

Dass Intraplan jetzt erneut herangezogen wurde, hat Zierer über eine Anfrage erfahren, die unserer Zeitung vorliegt. „Die Flughafen München GmbH hat bei der Intraplan Consult GmbH eine Luftverkehrsprognose in Auftrag gegeben“, schrieb ihm das bayerische Verkehrsministerium. Grund sei, dass laut Fluglärmgesetz die Lärmschutzzonen in der Flughafenregion bis Ende 2026 neu festgesetzt werden müssen. Dafür seien neue Daten notwendig. Aber, so hieß es im Schreiben an Zierer weiter: „Eine Veröffentlichung der Luftverkehrsprognose ist nicht vorgesehen. Dies entspricht der üblichen Vorgehensweise in Verwaltungsverfahren, wonach Verfahrensschritte und -dokumente nicht einzeln veröffentlicht werden.“ Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe konnte das Ministerium das weder bestätigen noch dementieren.

Der Grünen-Fraktionsvize Becher baut jetzt auf die Stadt München und einen prominenten Parteifreund, den künftigen Münchner OB Dominik Krause, um den Ausbau zu verhindern. Für Investitionen in dieser Größenordnung sei die Einstimmigkeit aller Gesellschafter – Freistaat, Bund und Stadt – erforderlich. Er vermute, dass die Planungen noch im alten Stadtrat in diesem Monat zur Abstimmung kommen sollen.DIRK WALTER

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