Das Spargel-Wunder von Ebersried

von Redaktion

Hofbesuch im Kreis Dachau – wo Familie Wolf das Königsgemüse der Deutschen anbaut

20 Kilometer Spargeldamm: Folie, so weit das Auge reicht.

Mit Schlepper und Fräse zieht Sohn Florian die Spargeldämme.

Spargelbauer Manfred Wolf prüft die Dämme auf seinem Feld – noch sprießt das Gemüse nicht. © Marcus Schlaf (3)

Ebersried – Spargelanbau ist harte Handarbeit. Aber ein bisschen Technik muss sein: Manfred Wolf, Fleecejacke, Wanderschuhe, steht auf seinem Feld und schaut auf das Spargelthermometer am Handy. Sensoren in der Erde zeigen ihm die Temperatur in drei verschiedenen Tiefen per App an. „Der Boden ist noch zu kalt“, sagt der 54-Jährige und hebt die Folie hoch, die im Wind flattert. Erst Anfang April wird die Saison bei ihm wohl losgehen. Weil Ostern heuer so früh liege, werde sein Ertrag bis dahin gering sein. „Sonst ist Ostern bei uns ein Absatzhöhepunkt.“

Manfred Wolf betreibt mit seiner Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ebersried im Kreis Dachau. Wie andere Spargelbauern auch, haben die Wolfs an vielen Fronten zu kämpfen. „Immer mehr Betriebe hören auf“, berichtet der 54-Jährige. Laut Statistischem Bundesamt haben seit 2015 fast ein Drittel der deutschen Spargelbauern aufgegeben. Auch die Anbaufläche ist binnen zehn Jahren um über 12,5 Prozent geschrumpft. Die Erträge gingen ebenfalls zurück.

Dass die Familie Wolf die weißen Stangerl hochzieht, grenzt sowieso an ein Wunder: „Es war ein Wagnis, Spargel außerhalb der traditionellen Spargelgebiete mit sandigem Boden wie Schrobenhausen anzubauen“, erinnert sich Manfred Wolf. „Viele haben uns abgeraten.“ Denn der Boden in seiner Region sei lehmiger und damit schwieriger zu bearbeiten. Doch er ließ sich nicht beirren. Und stellte fest: „Der Spargel wächst bei uns sogar besser, weil unser Boden mehr Wasser speichert.“ Auch den Geschmack findet er intensiver. Die Akzeptanz bei Kunden kam zwar erst allmählich. „Aber jetzt läuft das Geschäft.“ Heute bewirtschaftet die Familie 15 Hektar Fläche, der Ertrag liegt zwischen 60 und 100 Tonnen pro Saison. Laut Wolf gibt es nur einen weiteren Spargelbauern in der Gegend.

Doch die Herausforderungen wachsen. Problem Nummer eins: der gestiegene Mindestlohn für Saisonarbeiter, um den zuletzt ein Streit in der Branche entbrannte. Seit diesem Jahr beträgt er 13,90 Euro, 2027 soll er auf 14,60 Euro klettern. 30 Erntehelfer, vorwiegend aus Rumänien, packen auf Wolfs Hof mit an. „Viele von ihnen kommen seit 15 Jahren zu uns.“ Man wolle die Leute ja gut bezahlen, sagt er. Doch die Konkurrenz mit anderen Ländern, in denen die Lohnkosten niedriger sind und der Spargel billiger verkauft werden kann, wächst. „Das ist ein riesiges Problem.“ Hinzu kommt, dass die Produktionskosten steigen. Dazu gehören die hohen Diesel-Preise, bedingt durch den Nahost-Konflikt und CO2-Abgaben. „Wir haben keine Möglichkeit, auszukommen.“ Allein sein Schlepper schluckt 250 Liter Diesel am Tag. Brauchbare Elektro-Alternativen seien nicht in Sicht.

Trotz aller Widrigkeiten will Sohn Florian die Landwirtschaft weiterführen: „Ich habe eine Leidenschaft dafür“, betont der 26-Jährige und startet den Bulldog, der ratternd die Fräse durch das Feld schleppt. Sofort bilden sich die eckigen Spargeldämme, in denen die Stangerl gedeihen. Später kommen Folien drauf. Diese sorgen für Wärme, der entscheidende Faktor beim Spargel, und verhindern Unkraut und dass sich Spitzen bei Sonnenlicht lila oder grün färben. Zu 95 Prozent bauen sie weißen Spargel an. „Der ist sehr begehrt“, sagt Manfred Wolf. Große Preissprünge nach oben wird es heuer nicht geben. Das Kilo koste zwischen 8 und 18 Euro. Wie sich die Saison entwickelt, sei offen. „Alles andere wäre Kaffeesatz-Leserei.“ Sobald es wärmer wird, sprießt der Spargel innerhalb weniger Tage. Das Tolle: „Man kann jeden Tag Spargel essen und immer ein anderes Gericht daraus machen.“ Spargel sei das erste regionale frische Gemüse im Jahr. Nur eine bestimmte Zeit verfügbar. Das, sagt Wolf, macht den besonderen Reiz aus. Für den es sich zu kämpfen lohnt.MARLENE KADACH

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