Neuer S-Bahn-Weichensteller

von Redaktion

Chefwechsel nach neun Jahren: Matthias Glaub kommt aus Stuttgart

Bitte einsteigen: Matthias Glaub (re.) übernimmt den Chefposten von Heiko Büttner. © Michaela Hartmann

München – Staffelübergabe bei der Münchner S-Bahn: Nach neun Jahren wechselt der bisherige S-Bahn-Chef Heiko Büttner als Geschäftsführer zur S-Bahn Berlin. Sein Nachfolger Matthias Glaub (51) verantwortete zuletzt die S-Bahn in Stuttgart. Er kennt München aber gut – vor Stuttgart war er unter Büttner Personalchef der Münchner S-Bahn. „Für mich ist das ein Heimkommen.“

Der promovierte Psychologe, der am 1. Mai offiziell startet, sprach von einer „tollen Aufgabe“. Er wisse aber von den vielen Herausforderungen. Denn die alten Probleme der S-Bahn sind jetzt die Aufgabe des Neuen: Die S-Bahn kämpft mit einem Pünktlichkeitstief, auch wenn sich die Werte 2025 gegenüber dem absoluten Negativrekord 2024 leicht verbessert haben. Langsamfahrstellen bremsen den Verkehr, die Stammstrecke ist überlastet, regelmäßig gibt es Stau. Hinzu kommen Notarzteinsätze, Fahrzeugstörungen oder Signalprobleme. „Ich werde die S-Bahn nicht komplett neu machen“, sagte Glaub. „Aber die Sachen, die wir selbst im Griff haben, müssen passen.“ Vieles hänge an der Infrastruktur, wichtig sei ihm daher auch ein enger Draht zur DB InfraGo. Das ist die Bahn-Tochter, die für Schienen, Weichen und Signale zuständig ist.

Wie auch Büttner ist Glaub nicht der Herr über die Schienen, wie man sonst vielleicht salopp schreiben könnte. Er hat keine unmittelbaren Zugriffsrechte auf die DB InfraGo, die im Bahnkonzern so etwas wie ein Staat im Staate ist. Ein zweites Problem: Die InfraGo hat keinen München- oder Bayern-Chef, es ist eher ein Nebenher verschiedener Zuständigkeiten – der Ansprechpartner für die Bahnhöfe etwa ist ein anderer als der für Gleise oder der für den Bau der 2. Stammstrecke, die den bestehenden S-Bahn-Verkehr ja oft negativ beeinflusst. Die allgemeine Hoffnung in München ist, dass die neue Bahnchefin Evelyn Palla hier etwas Ordnung reinbringt.

Glaubs Vorgänger Heiko Büttner habe bei der S-Bahn viel erreicht, bilanzierte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) bei einer Feierstunde in der S-Bahn-Zentrale am Ostbahnhof. „Sie gehören zum Inventar“, er lasse es nur sehr ungern zu, dass der Unterfranke Büttner nach Berlin ziehe. „Aber“, so meinte Bernreiter augenzwinkernd, „ohne Bayern wird auch in Berlin nichts funktionieren.“ Büttner habe in München beispielsweise eine neue Leitstelle eingerichtet, neue S-Bahn-Züge beschafft (sie kommen ab Ende 2028) und zudem als Konzernbeauftragter der Bahn für Bayern viele wichtige Planungen angestoßen. Dabei nannte er den Ausbau des Bahnhofs Poccistraße zum Regionalzughalt und Planungsverträge für den viergleisigen Ausbau der S4 von Pasing Richtung Fürstenfeldbruck sowie den künftigen S-Bahnhalt Berduxstraße an der S2 zwischen Laim und Obermenzing.

Wichtig seien ihm auch viele kleinere Maßnahmen gewesen, sagte Büttner, etwa die Stationierung von Sanitätern an hoch frequentierten Bahnhöfen, das sogenannte Flex-Fahren auf der Stammstrecke oder auch der Bau von Zäunen entlang der Bahngleise, um die sattsam bekannten Störungsmeldungen „Personen im Gleis“ zu verringern. Auch die Modernisierung der bestehenden S-Bahn-Flotte, die mittlerweile abgeschlossen ist, fiel in die Ära Büttner. Dieser war auch selbst passionierter S-Bahn-Vielfahrer, der von seiner Wohnung bei Laim auf der Stammstrecke zu seinem Arbeitsplatz am Ostbahnhof pendelte und dabei selbst oft genug Leidtragender von Störfällen war.

Für seinen Nachfolger Matthias Glaub wird die S-Bahn-Nutzung umständlicher, denn er wohnt am Harras und wird wohl eher die U-Bahn nutzen. Trotzdem: Jeder könne ihn ansprechen, er wolle da ganz nah am Fahrgast sein.DIRK WALTER

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