Sicher im Bus unterwegs

von Redaktion

MVG und München Klinik üben mit Senioren das Ein- und Aussteigen

Eine Seniorin lässt sich in der Bustür einklemmen – um die Angst davor zu verlieren.

Die Mobilitätstrainerin Isabella Weiss (links) zeigt den Senioren, wie sie mit Rollator sicher in den Bus einsteigen. © Marcus Schlaf (2)

München – Sasa Mesario sieht, wie der ältere Herr unsicher in der Bustür steht, mit einer Hand hält er sich am Türgriff fest. Ein Bein steht schon im Bus, das andere noch auf dem Bordstein. Busfahrer Mesario drückt auf den Knopf, die Tür schließt sich, versetzt dem Senior dabei einen Schubs, bevor sie sich wegen des Widerstands erneut öffnet. Wäre der Mann nicht vorbereitet gewesen, hätte er leicht stürzen können. Das passiert im Alltag schnell, wenn der Busfahrer nicht gesehen hat, dass ein älterer Fahrgast noch nicht richtig eingestiegen ist. „Kein Busfahrer macht das mit Absicht“, betont Mesario. Er hat es gerade zwar mit Absicht gemacht – aber nicht aus Bosheit, sondern um älteren Menschen den Schrecken vor diesem Moment zu nehmen.

Diese Übung ist Teil des Mobilitätstrainings, das die MVG gemeinsam mit der München Klinik in regelmäßigen Abständen organisiert. Teilnehmer sind die Patienten der geriatrischen Tagesklinik in Schwabing. Mesario und sein Kollege Patrick Stuchlik haben sie abgeholt und mit dem Bus ein paar Meter weiter zum Scheidplatz gefahren. Heute geht es nicht darum, schnell voranzukommen – sondern darum, sicher unterwegs zu sein.

Als der Bus geparkt ist, erklärt Patrick Stuchlik den Senioren alle Sicherheitsvorkehrungen im Inneren. Nicht nur, dass sie in den Türen nicht eingequetscht werden können. Er hat auch ein paar Tipps für sie, um während der Fahrt nicht zu stürzen (siehe Kasten). Seine wichtigste Botschaft: „Machen Sie sich bemerkbar, wenn Sie mehr Zeit brauchen um ein- oder auszusteigen oder sich hinzusetzen!“ Gerade wenn der Bus voll ist, sei es für Busfahrer oft schwierig, im Spiegel alles zu überblicken. Aus seiner Erfahrung ist die Hilfsbereitschaft im Bus meist groß. Auch wenn es darum geht, in vollen Bussen um einen Sitzplatz zu bitten. „Und wenn sich jemand weigert für Sie aufzustehen, machen meist fünf andere gerne ihren Platz für Sie frei.“

Die Senioren hören aufmerksam zu, während Stuchlik erklärt. Viele von ihnen meiden die öffentlichen Verkehrsmittel genau wegen solcher Situationen. „Und in den U-Bahnen ist es ja noch voller und hektischer“, sagt ein Mann. Allerdings hat nicht jeder von ihnen Angehörige, die sie fahren können. Deshalb haben die Senioren aus der Tagesklinik das Angebot für das Training dankbar angenommen.

Die Mobilitätstrainierin Isabella Weiss übt mit den Senioren das sichere Ein- und Aussteigen. „Wieso können Sie für uns nicht die Rollstuhl-Rampe runterlassen, wenn wir mit dem Rollator aussteigen möchten“, fragt eine Seniorin die beiden Busfahrer. „Diese Rampen dürfen nur für Rollstühle benutzt werden“, erklärt Mesario. „Sonst haften wir Busfahrer, wenn etwas passiert.“ Und passieren könne leicht etwas – gerade im Winter, wenn die Rampen rutschig sind. Isabella Weiss hat aber ein paar Tipps, um das Ein- und Aussteigen mit Rollator leichter zu machen. Aufmerksam beobachten die Senioren, wie die Trainerin erst mit Rollator aussteigt. „Immer rückwärts“, sagt sie. „Alles andere ist lebensgefährlich!“ Dann demonstriert sie, wie sich der Rollator mit der Fußspitze leicht kippen lässt und geschmeidig in den Bus rollt. Mit einer Hand kann sie sich an der Tür festhalten, während sie einsteigt. Anschließend sind die Senioren dran, jeder darf üben.

Für einen älteren Herrn kam dieses Training zum genau richtigen Zeitpunkt. „Ich habe den Rollator erst seit Kurzem“, sagt er. Busfahrten habe er bisher so gut es ging vermieden. Aus Unsicherheit. Bisher hat er den Rollator immer in den Bus gehoben. Und ausgestiegen ist er vorwärts. Ab heute wird er das anders machen. „Ist ja so viel leichter.“KATRIN WOITSCH

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