Alle fahren aufs Campen ab

von Redaktion

Übernachtungszahlen auf Rekordniveau – Allgäu ganz oben dabei

Die drei Geschwister Dana Samer, Aylin Eisenschmid und Silvan Mayr-Zacek (v. l.) betreiben „Camping Hopfensee“.

Ein Stellplatz am Hopfensee muss in der Ferienzeit teilweise ein Jahr im Voraus gebucht werden. © Camping Hopfensee (2)

Füssen – Im Büro von Dana Samer trudelt eine Urlaubsbuchung nach der anderen ein. Die 36-Jährige ist unter anderem für die Gästebetreuung am Campingplatz am Hopfensee in Füssen zuständig. Gemeinsam mit ihren zwei Geschwistern Aylin Eisenschmid und Silvan Mayr-Zacek führt sie den Familienbetrieb im Allgäu bereits in vierter Generation. Besonders in der Ferienzeit boomt es dort. Wer dann am Hopfensee Urlaub machen will, muss sich ganz schön sputen. Denn die Stellplätze sind häufig schon ein Jahr im Voraus ausgebucht. „Das ist bei uns schon seit einiger Zeit der Fall“, sagt Betreiberin Samer.

In den Ferienzeiten sind am Hopfensee etwa 90 Prozent der Besucher Stammgäste, schätzt Samer. „Wir haben uns bewusst auf junge Familien spezialisiert.“ So gibt es etwa ein Zwergerl-Bad sowie ein Indoor-Spielhaus. Aber auch Wellness und Physiotherapie sind im Angebot. Und Wander- und Gesundheitstourismus stehen ebenso ganz oben auf der Liste. Insgesamt gibt es auf dem Campingplatz 367 Komfortstellplätze, vier Ferienhäuser und eine Wohnung.

Doch nicht nur am Hopfensee boomt es: Campingplatzbetreiber in ganz Deutschland verzeichneten 2025 einen Rekord bei den Übernachtungszahlen. So machten auf den deutschen Campingplätzen mit fast 44,7 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr so viele Menschen Urlaub wie nie zuvor. Das teilt das Statistische Bundesamt zum Start der Saison mit. Das waren 4,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor und fast ein Viertel (24,9 Prozent) mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Während der Covid-Pandemie hatte Camping einen zusätzlichen Schub erhalten.

Die mit Abstand beliebteste Campingregion in Deutschland blieb im vergangenen Jahr die Ostseeküste mit 3,4 Millionen Übernachtungen in Schleswig-Holstein und 3,1 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern. Danach folgen der Schwarzwald mit 2,6 Millionen und die niedersächsische Nordseeküste mit zwei Millionen. Und dann kommt auch schon das Allgäu mit 1,8 Millionen Übernachtungen.

Insgesamt haben sich die Zahlen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt auch wegen des Wohnmobil-Booms innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das beobachtet Samer auch bei sich daheim im Allgäu. Dort seien vor allem seit der Corona-Pandemie immer mehr kleine Wohnmobile sowie Campingbusse zu sehen, sagt sie.

Neben den Übernachtungszahlen sind jedoch auch die Preise für Camping deutschlandweit stark angestiegen. So waren Wohnmobilplätze im vergangenen Jahr fast ein Drittel teurer als im Jahr 2020. Die allgemeinen Camping-Gebühren sind um 28,7 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Über alle Formen von Unterkünften hinweg haben sich Übernachtungen im selben Zeitraum um 26,9 Prozent verteuert.

Am Hopfensee versuchen die drei Geschwister, die Preiserhöhungen so niedrig wie möglich zu halten. Doch auch dort kommt man nicht drum rum, sagt Samer. Das liege auch an gestiegenen Lohnkosten in der Tourismusbranche, der Inflation und der erhöhten Kurtaxe. So kostet dort ein Stellplatz in der Hauptsaison 22,80 Euro pro Nacht. Erwachsene zahlen 14,50 Euro pro Übernachtung, Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren 13,50 und Kinder (zwei bis elf Jahre) 9,30. Dazu kommen unter anderem Stromkosten und Umweltabgabe.

Generell sieht Samer einen großen Vorteil beim Campen: „Man ist flexibel, es gibt zum Beispiel keine festen Frühstückszeiten. Außerdem hat man seinen eigenen Hausstand dabei.“ Geändert habe sich aber das Reiseverhalten. Waren die Gäste früher noch ein bis zwei Wochen dort, sind es heute häufig drei bis vier Nächte. Samer fährt selbst übrigens selten im Urlaub weg. „Bei uns ist es doch ohnehin so schön.“ Aber klar: Die 36-Jährige ist ja schließlich auch dort zu Hause, wo andere Urlaub machen.FRANZISKA WEBER

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