Peter Dathe aus Dietramszell. © Hermsdorf-Hiss
Sonntagabends gibt es für Peter Dathe einen festen Termin: „Tatort“. Er mag es den fiktiven Ermittlern bei der Arbeit zuzusehen. „In 90 Minuten ist jeder Fall gelöst, das ist wunderbar“, sagt er und lacht. Schließlich weiß er, dass es im echten Leben meist deutlich komplizierter ist. Dathe ist ehemaliger Präsident des Landeskriminalamts. Davor war er über 40 Jahre lang leitender Kripobeamter in München. Der 74-Jährige aus Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist stolz auf das, was er erreicht hat. Er hat es vom einfachen Polizeiwachtmeister bis in Bayerns oberste Polizeibehörde geschafft. Ohne Jura-Studium. Als Kind wollte er ja nie Polizist werden, erzählt er. Und niemand hätte gedacht, dass der Bub aus dem Dorf, Kind einfacher Leute, einmal Karriere machen würde. Er erinnert sich an einen Satz seiner Volksschullehrerin: „Der Bub gehört nicht aufs Gymnasium.“ Aber er hatte es sich in den Kopf gesetzt, schaffte die Aufnahmeprüfung und schaffte auch das Abitur.
Zur Polizei kam er durch einen Zufall. In einer Zeitschrift las er etwas über Kriminaltechniker, die Spuren am Tatort auswerten. Das fand er spannend. Als 21-Jähriger fuhr er zum LKA nach München. Dort überzeugte der Personalchef ihn allerdings, lieber Kriminalbeamter zu werden. In den 43 Jahren bei der Polizei hat Dathe vieles erlebt. Die Zeit des RAF-Terrorismus, das Oktoberfest-Attentat, beim Papstbesuch 2006 lernte er Benedikt XVI. persönlich kennen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm vor allem menschliche Schicksale. Seine Arbeitstage hat Dathe oft mit einer Joggingrunde um den Waldweiher begonnen. Unterwegs war er gedanklich meist bei der Arbeit. Er dachte darüber nach, wie man aus den polizeilichen Erkenntnissen Beweise für die Aufklärung eines Falls sammeln könnte oder wie sich eine Bedrohungslage entschärfen lassen könnte. Er hat es nie bereut, die Polizeilaufbahn eingeschlagen zu haben.CLARA WILDENRATH