In dieser Backstube geht’s ums Ei: Eli und Tochter Katharina Kreutzkamm-Aumüller in Berg am Laim.
Zwei riesige Eier aus Schokolade sollten es sein. So groß, dass darin jeweils ein Nerzjackerl versteckt werden könnte. Auch an Konditorei-Theken gibt’s Sachen, die gibt’s gar nicht! Erst recht, wenn es sich um die Conditorei Kreutzkamm handelt. Hier in der Backstube in Berg am Laim ist die Geschichte vom XXL-Trüffel-Ei zur Legende geworden – und sorgt am Ostertisch von Familie Kreutzkamm-Aumüller noch nach Jahrzehnten für Schmunzler.
Das eine Ei schenkte der Kunde damals nämlich seiner Ehefrau und das zweite seiner Geliebten. Laut einer Stammbedienung gab jener ewige Stenz die Order zu einer Zeit auf, als in München erstmals das Monaco-Franzl-Fieber herrschte. „Jedes Ei muss einen halben Meter lang gewesen sein und an die vier Kilo gewogen haben“, sagt die heutige Chefin Eli Kreutzkamm-Aumüller und lacht. „Aber unsere Meister haben das damals natürlich möglich gemacht.“
Solch ein handgefertigtes XXL-Ei würde heute wohl an die 500 Euro kosten. Also geht der Trend zu kleineren Köstlichkeiten, weiß die 59-Jährige. Wie vor 200 Jahren, als ihr Ur-Uropa Heinrich Jeremias Kreutzkamm das Familienunternehmen in Dresden gründete, ist bis heute jedes einzelne Ei ein handgemachtes Unikat. Vom Dessert-Ei mit 30 Gramm (3,80 Euro/Stück) bis zum exklusiven 500-Gramm-Ei, das mit Pralinen gefüllt ist. 75 Euro kostet dieses 2900 Kalorien leichte Schmankerl, das mit der ganzen Familie geteilt werden kann – oder auch nicht.
Direkt nach Weihnachten wird in der Backstube die Osterzeit eingeläutet. Im Erdgeschoss werden Osterlämmer mit Puderzucker verzaubert und ihre Brüder und Schwestern in der Schoko-Küche im ersten Stock in dunkle Glasur gehüllt. Zu guter Letzt greift eine Konditormeisterin zum Föhn – so schlägt die Schokolade am Lamperl weiche Wellen und bildet keine langen Nasen.
Etwa 80 Lämmchen pro Tag verlassen die Backstube und pro Saison über 10.000 Schoko-Eier in allen Größen. Ein paar Schritte weiter warten feinherbe Eierhälften auf ihre cremige Füllung. Erst wenn die gut ausgekühlt ist, geht’s in die Ankleidestube. Von Hand klappen dort drei Mitarbeiterinnen je zwei Hälften zum Ei zusammen und wickeln es in Stanniolpapier. Aber Obacht, die Farben! Pink für Trüffel-, Grün für Krokant-, Orange für Knickebein-Eierchen und so weiter.
Ein Teil der Leckereien geht auf Reisen. „In die Schweiz und nach Frankreich, aber auch nach Japan und in die USA“, weiß Junior-Chefin Katharina Kreutzkamm-Aumüller (26). Auch an den ein oder anderen Königshof. Kürzlich kam Fanpost – der „Hase im Kohl“, eine bunte Mini-Skulptur aus Marzipan, begeistert selbst in Australien. „Ihn muss mein Großvater Max um 1900 kreiert haben“, sagt Eli Kreutzkamm-Aumüller. „Damals lagen aus Marzipan modellierte Früchte voll im Trend, davon ist bis heute der Hase erhalten geblieben.“
Seit 1873 waren die Kreutzkamms die Hofkonditoren der Dresdner Könige – und exportierten auch an die bayerischen Kinis. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Elisabeths Vater Fritz Kreutzkamm dann in vierter Generation das Unternehmen wieder in München auf. Die prunkvollen Ostereier hat die Familie seit jeher im Sortiment: 25 Reichsmark kostete Anfang der 1930er ein XXL-Ei mit Mega-Schleife, wie die heutige Chefin aus einem Katalog von damals abliest. Ab diesem Betrag wurde das Paket portofrei verschickt – damals schon bis auf Ostertafeln in München und in aller Welt.CORNELIA SCHRAMM