Die Angeklagte betritt mit Fußfesseln den Saal des Landgerichts Deggendorf. Sie soll ihren Partner vergiftet haben. © dpa
Deggendorf – Weil ihr Partner sie mit der 23-jährigen Freundin ihres Sohnes betrogen hatte, soll die Ukrainerin Alona T. ihn mit dem Rattengift Thallium umgebracht haben. Seit gestern steht die 53-jährige Bibliothekarin wegen Mordes vor dem Landgericht Regensburg. Sie bestreitet die Vorwürfe, äußerte sich am ersten Prozesstag aber nicht. Oberstaatsanwalt Oliver Baumgartner klagt sie an, sie habe ihren Partner für dessen Affäre bestrafen wollen. Er attestierte ihr eine „gefühllose und unbarmherzige Gesinnung“.
Mit Grippesymptomen ging der 52-jährige Förster Serhii T. aus Cherson vergangenes Jahr im Januar zu seinem Hausarzt, doch außer Schmerztabletten konnte der nichts für ihn tun. In den Tagen darauf stieg sein Fieber auf 42,7 Grad, er konnte nur noch flüstern und kriechen, reagierte auf jede Berührung extrem schmerzempfindlich. Kurz darauf starb er. Erst danach wurde in seinem Blut das hochgiftige Schwermetall Thallium nachgewiesen.
Bei einer Razzia wurden Handys und PCs seiner Partnerin sichergestellt, darauf fanden sich Suchanfragen wie: „Wann stirbt man mit Thallium?“ Zudem hatte Alona T. laut Anklage Filme wie „Das langsame Gift“ angesehen und eine russische Doktorarbeit mit dem Titel „Vergiftung mit Thalliumsalzen“ heruntergeladen. Im November 2024 bestellte sie laut Kripo per Mail für 66,84 Euro zehn Gramm des Giftes in Kiew – und holte die Sendung im Januar in Regensburg ab. Zuvor hatte sie nach „Ritual zum Bestrafen des Täters“ und „Fertigen einer Voodoo-Puppe“ recherchiert – doch ein per Instagram von einer „Mara Nowa“ angebotener „Todesfluch“ war ihr mit 411 Euro wohl zu teuer.
Belastet wird Alona T. zudem von einer Mitgefangenen aus der U-Haft. Ihr soll sie in der JVA Aichach erzählt haben, dass ihr Partner mit der Freundin seines Sohnes rumgemacht und in den Puff gegangen sei. Wegen ihm sei sie nun in Haft, soll sie gesagt haben.
Gleich nach dem Tod von Serhii T. hat die Angeklagte ihn einäschern lassen. Mit der Urne flog sie in die Ukraine. Als seine Tochter von der Vergiftung informiert wurde, forderte sie Alona T. zur sofortigen Umkehr auf. Sie lieferte die Asche am 6. Februar bei der Polizei ab – doch das LKA konnte keine Spuren des Giftes mehr nachweisen. Ein Urteil soll am 7. Mai fallen.