Die Schwester im Herzen

von Redaktion

Schauspielerin Marianne Sägebrecht gedenkt vor Ostern ihrer Liebsten

Sägebrecht am Nordfriedhof, am Grab ihrer Mutter und ihrer Schwester. © Beckmann/BMC-Image

München – Ein weißer Ton-Engel sitzt mitten auf dem schlichten Grab, nur ein paar hellblaue Vergiss-mein-nicht-Blümchen sorgen für ein wenig Farbe. Die hat Marianne Sägebrecht selbst mitgebracht, in der Hoffnung, dass sie über Ostern halten. „Es ist das Grab meiner Schwester und meiner Mutter“, erklärt die 80-Jährige, obwohl nur ein schlichtes Holzkreuz an ihre Schwester Renate erinnert. Aber Sägebrecht hatte bisher keine Zeit, einen ordentlichen Grabstein mit allen Namen anfertigen zu lassen. „Ende Juni kommt endlich der Stein“, so Sägebrecht. „Denn hier liegen meine Schwester, meine Mama und deren Schwester, also meine Tante Fanny.“

Mit ihrer Schwester Renate, die zwei Jahre jünger war, ist die Schauspielerin in ärmsten Nachkriegs-Verhältnissen in Bachhausen am Starnberger See aufgewachsen. Renate, schreibt Sägebrecht in ihrem Buch „Mein Leben zwischen Himmel und Erde“, war ihre Halbschwester. Deren Vater, ein Heimkehrer aus der Gefangenschaft, machte sich allerdings bald aus dem Staub. Und so blieb Sägebrechts Mutter Agnes allein zurück, mit zwei unehelichen Kindern. Denn auch die kleine Marianne kam auf die Welt, bevor ihre Eltern sich trauen lassen konnten. Ihr Vater Georg Deil, so schildert es Sägebrecht, ist noch 1945 erschossen worden. Sie hat ihn nie kennengelernt.

Das alles überkommt Sägebrecht, wenn sie an diesem kühlen Tag das Grab auf dem Münchner Nordfriedhof besucht. Auch sie will hier einmal ihre letzte Ruhe finden. Sie habe sogar schon die Inschrift ausgewählt: „Deine Seele fliege weit“ soll einmal darauf stehen. Vor dem Sterben, oder dem „Heimgehen“, wie sie es nennt, hat Sägebrecht keine Angst.

Doch jetzt ist erst einmal Ostern, ein Fest der Freude, das Sägebrecht auch feiert. In der Kirche (Sägebrecht wohnt in der Nähe von Kloster Schäftlarn) feiere sie die Auferstehung Christi. Aber sie findet nicht nur Erfüllung in ihrem katholischen Glauben, sondern sie ist offen für alle Religionen. Sie habe große Toleranz für „den Buddhismus, die jüdische und die indischen Religionen.“ Und auch mit den Ritualen des Islam habe sie sich beschäftigt. Überhaupt, es gibt scheinbar nichts, was Sägebrecht nicht interessiert. Die Schauspielerin, die mit dem Kinohit „Out of Rosenheim“ (Regie führte Percy Adlon) Kultstatus erreichte, lebt sehr bewusst und spirituell. „Mein Grundtenor ist gläubig, lebensmutig und versöhnend. Davon handelt auch mein achtes Buch, an dem ich gerade arbeite.“ Darin wird sie auch wieder ihre Kräuter-Philosophie erklären. Denn auch das hat ihre Mutter ihr mitgegeben: das Wissen, dass gegen jedes Leid ein Kraut gewachsen ist.MZ/DS

Artikel 8 von 11