So pünktlich sind die einzelnen Linien: Die Angabe zur Stammstrecke ist nicht den einzelnen Linien zugeordnet, sondern betrifft die S-Bahn insgesamt. © BEG
Problemzone Stammstrecke: Hier staut es sich regelmäßig. © Ulrich Wagner/pa
München – Bauarbeiten, Verspätungen, Zugausfälle: Für viele S-Bahn-Pendler gehört das längst zum Alltag. Nun hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die Pünktlichkeitsbilanz für 2025 veröffentlicht. Das Ergebnis: eine leichte Verbesserung, allerdings auf niedrigem Niveau. Im Schnitt waren 87,9 Prozent aller S-Bahnen pünktlich. Das war knapp ein Prozentpunkt mehr als 2024. Zudem fielen weniger Züge aus. Die Ausfallquote lag bei 8,4 Prozent, hat sich also um 1,3 Prozentpunkte erholt. Die Hauptursache für Verspätungen im Münchner S-Bahn-Verkehr war laut BEG nach wie vor die störanfällige Bahninfrastruktur. Für die Zugausfälle seien 2025 erneut Bauarbeiten der Streckenbetreiberin DB InfraGO maßgeblich gewesen.
Trotz leichter Verbesserung ist der Fahrgastverband Pro Bahn mit den neuesten Zahlen nicht glücklich. „Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend“, sagt ein Sprecher. Die Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke hätten „massive Auswirkungen auf die bestehende“. Hinzu komme, dass durch die Konzentration auf das Großprojekt der restliche Ausbau des S-Bahn-Netzes „massiv ins Stocken gerät“. Es gebe zum Beispiel einige Strecken, auf denen eigene Gleise für die S-Bahn sinnvoll wären, etwa die S1 Richtung Freising.
Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der BEG, sagt: „Aufgrund der durchaus wirksamen Gegenmaßnahmen der DB hatten wir uns eigentlich eine bessere Jahresbilanz erhofft, sind aber dann in der zweiten Jahreshälfte leider stark ernüchtert worden.“ Denn: Nachdem sich die Pünktlichkeit bis Mai noch positiv entwickelt hatte (90 Prozent), verschlechterte sie sich danach. Schuld daran waren Langsamfahrstellen, unter anderem bei S4 und S7. Hinzu kamen Störungen an Signaltechnik sowie viele Baustellen. Der Pro-Bahn-Sprecher kritisiert: „Jahrzehntelang war kein Geld da, jetzt ballt es sich.“ Zudem erschweren laut BEG Alter und die hohe Auslastung der Infrastruktur eine schnelle Stabilisierung des Betriebs.
Am pünktlichsten war die S3 München–Holzkirchen, mit 93,7 Prozent. Das Schlusslicht bildet die S4 nach Geltendorf mit 83,4 Prozent. Vor allem durch die neue S5 und die Teilung der S7 habe sich die Pünktlichkeit auf beiden Strecken verbessert. Allerdings bleibe der lange eingleisige Abschnitt der S7 herausfordernd. Dennoch: Die Teilung hilft laut BEG dem gesamten System. Knapp die Hälfte aller Verspätungen war auf Störungen an Weichen, Gleisen und Bahnübergängen zurückzuführen. Für gut zwei Drittel aller Ausfälle waren Bauarbeiten verantwortlich. Interessant: Während 2024 30,2 Prozent der Ausfälle auf externe Einflüsse zurückgingen, lag der Wert nun bei 8,1 Prozent. Der Grund: deutlich weniger witterungsbedingte Einschränkungen. Und 2025 wurde nicht gestreikt.
Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sieht keinen Grund zum Jubeln. Man wolle wieder Pünktlichkeitswerte bis 94 Prozent erreichen. Der neue S-Bahn-Chef Matthias Glaub (Amtsantritt 1. Mai) stehe vor einer Herkulesaufgabe. Glaub selbst ist mit der Pünktlichkeit ebenfalls „nicht zufrieden“. Die leichte Verbesserung zeige aber, dass Änderungen wie die Aufteilung der Linie S7 und flexiblere Abfahrtszeiten auf der Stammstrecke wirken. Man werde weiter an allen Stellschrauben drehen, „die in unserem Einflussbereich liegen“, sagte Glaub. „Klar ist aber auch: Für einen nachhaltigen Pünktlichkeitsschub braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur.“MARLENE KADACH