Maria Baur aus Beuerberg. © Sabine Hermsdorf-hiss
Leise klingt Zithermusik aus dem Radio, während Maria Baur Butter, Zucker und Ei zu einer cremigen Masse verrührt. Es ist der Auftakt einer vertrauten Choreografie, die sich jedes Jahr zur Karwoche wiederholt. Am Ende dieser Tage steht ein kleines, mit Puderzucker bestäubtes Lamm, das gesegnet und am Ostersonntag angeschnitten wird, als Symbol für Leben und Unschuld. In ihrer Küche in Beuerberg läuft der Ofen in diesen Tagen fast ohne Pause, ein gebackenes Lamm reiht sich ans nächste. „Ich backe gern. Es ist keine Arbeit, wenn man sie mit Liebe macht.“ Für die 69-Jährige ist das gelebte Tradition. „Für mich ist Ostern ein Familienfest. Und das geht beim Backen los.“ Erst nach der Weihe in der Kirche dürfen die ersten Stücke probiert werden – gemeinsam mit Familie, Freunden und auch dem Pfarrer, der sich jedes Jahr über ein Exemplar freut.
Das Rezept stammt von Maria Baurs Mutter, notiert als „Osterlamm von Mutti“ in einem alten Kochbuch. Sorgfältig bestäubt Baur das fertige Gebäck. „Das wird ein richtig schöner Kerl.“ Dann setzt sie behutsam das Auge ein: Erst wenn der Blick stimmt, ist sie zufrieden. Trotz Routine bleibt das Backen anspruchsvoll. Mal misslingt ein Lamm, mal wird es zu dunkel. „Das ist schon eine Kunst“, sagt sie. Ihre Tradition begann in der Kindheit. Ihre Mutter entdeckte einst eine Lammform im Schaufenster. „Mein Vater musste am Samstag noch einmal in die Stadt, weil sich meine Mutter die Backform eingebildet hat.“
Baur war damals zehn Jahre alt. Bis heute bevorzugt sie die Form mit leicht geneigtem Kopf. Auch diesmal hat sie ihre Lämmer zur Segnung gebracht, zusammen mit Brot, Eiern und Kräutern. Ein Geheimnis fürs perfekte Lamm? „Es darf nicht zu dörr sein und nicht zu braun.“ Auf Alkohol im Teig verzichtet sie: „Ich möchte, dass auch die Kinder etwas vom Lamm abbekommen.“ Denn am Ende zählt das gemeinsame Feiern.DOMINIK STALLEIN