Für starke Überschwemmungen sorgte Sturm „Therese“ auf Gran Canaria. © EPC/IMAGO
Umgekippter Wohnwagen in Kroatien: Fallwindböen brachten Urlauber auf Küstenstraßen in Gefahr.
Apokalyptisch: Saharastaub auf Kreta färbt den Regen rot. © Rapanis/IMAGO
Abgebrochene Landung: Zwei Lufthansa-Flüge nach Dubrovnik drehten kurz vor der Landung wegen starker Seitenwinde wieder nach München ab. © ARCHIVBILD: Hoermann/pa
München – Zum Beginn der Osterfeiertage sorgt extremes Wetter im Mittelmeerraum für erhebliche Probleme bei Anreise, Verkehr und Flugverkehr. Besonders betroffen ist der Norden Kroatiens, wo heftige Bora-Stürme mit orkanartigen Böen den Verkehr am Karfreitag teilweise zum Erliegen brachten.
Bereits an den ersten Reisetagen zeigten sich die Auswirkungen: Zwei Lufthansa-Flüge (LH1708) von München nach Dubrovnik mussten am Mittwoch und Donnerstag nach dem Landeanflug auf die kroatische Stadt wieder umkehren und zurück nach München fliegen. Grund waren starke seitliche Windböen mit bis zu 72 km/h. Mehrere hundert Passagiere wurden in München auf andere Flüge umgebucht.
Der Flughafen Dubrovnik gilt als relativ anspruchsvoll, weil die Kombination aus Bergen und Meer instabile Luftströmungen erzeugt. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte die Verkehrszentrale der Lufthansa am Freitag, dass solche „Go-Arounds“ in Europa „immer mal wieder“ vorkämen. Die Piloten entschieden stets aus Sicherheitsgründen.
Während im Süden vorwiegend der Flugverkehr beeinträchtigt war, kämpften Autofahrer im Norden Kroatiens wegen der Bora mit massiven Einschränkungen. Der kalte, trockene Fallwind stürzt von den Bergen zur Adriaküste hinab und verursacht dabei oft plötzlich sehr starke, böige Stürme. Er erreichte auf der Brücke zur Ferieninsel Krk im Tihi-Kanal bis zu 170 km/h.
Die Brücke musste gesperrt werden, auch in Povile, Prizna und Bakarac wurden Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h gemessen. Die Autobahn A1 zwischen Sveti Rok und Posedarje wurde am Karfreitag dichtgemacht, Umleitungen führten über Landstraßen und sorgten für erhebliche Verzögerungen. Auch Fährverbindungen wie Rijeka–Rab–Novalja oder Pula–Zadar fielen aus.
Meteorologen warnten weiterhin vor anhaltend schwierigen Bedingungen. In Teilen Kroatiens galt die höchste Warnstufe Rot. Auch das Auswärtige Amt warnt Urlauber: „Insbesondere in Küstengebieten kann es in den kommenden Tagen weiterhin zu starken Winden und Böen kommen. Dies kann ggf. zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen“, hieß es am Karfreitag auf der Website. Reisende sollten Aufenthalte im Freien möglichst vermeiden und die Hinweise der örtlichen Behörden beachten.
Das Unwetter ist Teil einer größeren Serie im südlichen Raum. Auf den Kanaren verursachte Sturm „Therese“ bereits Ende März schwere Probleme. Auf Gran Canaria entstanden Millionenschäden, nachdem heftige Winde und Regen Infrastruktur und Gebäude beschädigten. Straßen wurden überschwemmt, Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt.
Auch auf Kreta und dem griechischen Festland machte sich das Wetter bemerkbar: Saharastaub und starker Regen beeinträchtigten vergangenen Mittwoch den Flugverkehr auf die griechische Ferieninsel. Die meisten Fähren mussten im Hafen bleiben, während das griechische Festland von einer Sturmfront heimgesucht wurde. Der nationale Wetterdienst warnte vor anhaltendem Starkregen, Gewittern und örtlichen Hagelschauern. Drei Flüge nach Iraklio mussten umgeleitet werden. Auf den Kykladen und Dodekanes-Inseln blieben Schulen geschlossen, Unterricht wurde online abgehalten.
Ein Mensch kam durch den Sturm ums Leben: Ein etwa 50 Jahre alter Mann wurde vergangenen Donnerstag in Nea Makri bei Athen unter einem Auto gefunden. In der Region gingen innerhalb von drei Tagen fast 500 Notrufe ein. Behörden warnten die Bevölkerung vieler Regionen, möglichst zu Hause zu bleiben. Auf dem Meer der südlichen Ägäis wurden Windgeschwindigkeiten bis 120 km/h und Wellen bis über sechs Meter gemessen. Für die kommenden Tage sagen Meteorologen ruhigeres Wetter voraus.TSR