Skrupelloser Vogel-Schmuggel

von Redaktion

Allgäuer soll über 27.000 geschützte Vögel aus Afrika eingeflogen haben

33 Kappengeier wurden eingeschmuggelt. © imago (2)

Das Orangeköpfchen ist eine afrikanische Papageienart.

Augsburg – Münchner Zollfahnder haben eine Schmugglerbande hochgenommen. Die drei Männer sollen zwischen 2017 und 2023 mindestens 27.043 exotische und geschützte Vögel illegal aus Afrika eingeflogen haben. Zwei von ihnen sind bereits verstorben, der dritte steht nun in Augsburg vor Gericht.

Der Allgäuer und seine Komplizen sollen laut Staatsanwaltschaft Augsburg Kontakt zu Vogeljägern in Afrika gehabt haben – vor allem in Guinea, Mali und im Kongo. Der Allgäuer gab laut Anklage die Bestellungen von Kunden durch, einer seiner Komplizen übermittelte sie an die Vogelfänger in Afrika. Die Tiere wurden laut den Behörden ins serbische Belgrad geflogen. Dort hatte der Allgäuer eine Quarantänestation angemietet – laut den Ermittlern aber nur zur Tarnung. Die Vögel sollen nie angemeldet worden sein. Wie die Bande die Tiere durch den Zoll brachte, ist noch nicht klar. Auch die vorgeschriebenen 40 Tage Quarantäne seien nie eingehalten worden, berichtet die Staatsanwaltschaft. Den Flug nach Europa überlebten viele Vögel nicht, sie starben laut den Ermittlern im Flugzeug oder kurz nach der Ankunft. Wie viele es waren, ist nicht bekannt.

Laut Staatsanwaltschaft schmuggelte die Bande auch mindestens 563 streng geschützte Vögel: Orangeköpfchen, Turakos, Oriole, Grünreiher, hunderte Kabtäubchen, Purpurhühner, Krokodilwächter oder 33 Kappengeier und 24 Weißrückengeier. Ein Vergehen gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. So gilt etwa der Kappengeier als vom Aussterben bedroht. Der Allgäuer pferchte die Vögel laut Anklage in einen Mercedes Sprinter und fuhr sie von Serbien nach Thüringen. Dort vegetierten die Vögel dann in einer Halle. Einer seiner Komplizen kümmerte sich um sie, der Allgäuer und der zweite Komplize sollen sie dann an Kunden verkauft haben.

Bei einer Fahrt 2023 hatte der Angeklagte laut Ermittlern auch gefälschte Dokumente dabei. Die sollten belegen, dass die Tiere medizinisch untersucht worden waren und nur innerhalb der Europäischen Union bewegt wurden. Auf diese Weise sollen die Vogelschmuggler knapp 100.000 Euro Einfuhrumsatzsteuer hinterzogen haben. Der Mann steht deshalb nicht nur wegen bandenmäßigen Schmuggels, sondern auch wegen Urkundenfälschung vor Gericht.THOMAS GAUTIER

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