Über Rohrleitungen, hier im für Fahrgäste gesperrten Bahnhof Isartor, wird die Tunnelluft abgesaugt.
Projektleiter Emirhan Kutlu im Leitstand. Die gelb umrahmten Zahlen zeigen, wie viele Bauarbeiter im Tunnel sind.
Arbeit unter Tage: Gleismontage ist zu einem guten Teil Handarbeit. © Marcus Schlaf (3)
München – Weichenstellung am Isartor: Westlich des Bahnhofs mitten in München erneuert die S-Bahn vier Weichen, tauscht 350 Meter Schiene, 650 Schwellen und 1500 Tonnen Schottersteine aus. Was banal klingt, ist tatsächlich ein Riesenaufwand für die Bahn – und für die Pendler. Schon seit Beginn der Osterferien und noch bis Montag, 4 Uhr früh, ist die Stammstrecke weitgehend lahmgelegt. Nur S2 und S3 fahren zumindest bis zum Stachus. Für die S-Bahnen aus dem Osten ist am Ostbahnhof derzeit Endstation.
Ortstermin auf der Baustelle: Am Westende des unterirdischen Bahnhofs geht man auf einem schmalen Steg am Gleis entlang in den Tunnel. Hinten leuchten grelle Scheinwerfer. Auf einem der beiden Gleise, wo sonst die S-Bahnen im Minutentakt vorbeirauschen, steht ein Güterzug. Er hat Bahnschwellen aus Beton geladen. Auf der anderen Seite schuften die Männer der Gleisbaufirma Wilke Rail Construction im Akkord. Gerade montieren sie die vierte Weiche, Schiene für Schiene, Schwelle für Schwelle. Die Weiche, hergestellt im bahneigenen Werk in Witten/Westfalen, kann nicht in einem Stück in den Tunnel angeliefert werden, sagt der DB-Projektleiter Emirhan Kutlu. Dafür ist sie zu groß. Daher wird sie vor Ort zusammengesetzt. Die Weichen, die jetzt ersetzt werden, stammen noch aus den 1970er-Jahren, also aus der Anfangszeit der S-Bahn München. Knapp acht Millionen Euro kostet die gesamt Baustelle.
Im Tunnel ist der Aufwand für den Arbeits- und Gesundheitsschutz besonders groß, erläutert Projektleiter Kutlu. Der Tunnel muss gut belüftet werden. Ein Problem sind die Diesel-Abgase der drei eingesetzten Bagger und mehrerer Geräte, etwa einer Maschine zum Befestigen der Gleisschrauben. Das zweite Problem sind Feinstäube, die durch die Bauarbeiten aufgewirbelt werden – feinste Partikel, die sich in der Lunge festsetzen können. Um sie aus dem Tunnel zu transportieren, hat die Bahn ein Abluftsystem installiert. Allein fünf Tage dauerte es, den Riesen-Lüfter zu installieren. Die Abgase werden aber nicht einfach ins Freie geblasen. Direkt neben dem Isartor stehen weiße Container – „Compact Filter Technic“ steht darauf. Darin sind die Filter verpackt, die 112 Kubikmeter Abluft je Sekunde so säubern, dass sie in die Münchner Stadtluft entlassen werden können.
Alle Arbeiter tragen außerdem einen Ortungstransponder. Oben auf der Grünfläche am Isartor hat die Bahn einen Leitstand errichtet. „Das Gehirn der Baustelle“, sagt Kutlu. Auf Monitoren wird überwacht, wie viele Bauarbeiter sich wo aufhalten. Keiner soll verloren gehen. Es gibt auch Kameras – die Bauarbeiter sind aber nur verpixelt erkennbar. „Wir wollen ja nicht einzelne Leute kontrollieren.“
Im Tunnel haben Bauarbeiter jetzt mit einem Bagger eine Schwelle herangefahren. Mit dem Meterstab wird nachgemessen, damit der Abstand passt. Die Gleisbaukolonne aus Sachsen ist ein eingespieltes Team, sagt Projektleiter Thomas Spindler. Über Ostern haben sie 24 Stunden am Tag in Schichten durchgeschuftet. Das Arbeiten im Tunnel sei zu verkraften. Es sei auch nicht so dreckig hier unten. „Ratten haben wir noch keine gesehen, nur ein, zwei Mäuse.“
Ab Montag, 4 Uhr, ist die Stammstrecke wieder durchgängig befahrbar. Allerdings gibt es bis 17. April noch Nachtsperrungen. Parallel sind vom 13. (22.10 Uhr) bis 17. April (5 Uhr) die Flughafen-S-Bahnen unterbrochen, S1 und S8 fahren nur bis Neufahrn/Ismaning. Es gibt Bus-Ersatzverkehr.DIRK WALTER