Der Angeklagte zu Prozessbeginn: Er soll Stellvertreter für Fahrschüler organisiert haben. © dpa
Schongau/Heilbronn – Ein 24-jähriger Syrer aus Schongau hat versucht, bei der theoretischen Führerscheinprüfung zu betrügen. Er hatte einen 40-jährigen Helfer, ein in Dortmund lebender Syrer. Der Mann hielt sich in der Nähe auf und hatte in seinem Rucksack einen mobilen Wlan-Router. Über den stellte er mit dem 24-Jährigen eine Verbindung her. Der Prüfling hatte an der Innenseite seines T-Shirts mit Klebeband einen Sender und eine Mini-Kamera angebracht. Den Prüfern fiel jedoch auf, dass er sich verdächtig verhielt, sie verständigten die Polizei. Der 40-Jährige versuchte zu flüchten, wurde jedoch gefasst. Auch der Prüfling wurde festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass noch eine dritte Person an dem Betrug beteiligt war, die dem 24-Jährigen über einen Stecker im Ohr die Antworten mitteilte.
Immer wieder wird versucht, bei der theoretischen Führerscheinprüfung zu betrügen. Vor dem Heilbronner Landgericht hat gerade erst ein spektakulärer Prozess gegen eine mutmaßliche Bande von Führerscheinbetrügern begonnen. Fünf Männer, darunter Inhaber von zwei Fahrschulen, sollen über ein Netzwerk Doppelgänger vermittelt haben. Als sogenannte Stellvertreter übernahmen diese laut Anklage gegen Bezahlung 59 theoretische Fahrprüfungen. Mindestens zwei davon auch in Bayern.
Die mutmaßlichen Betrüger seien laut Staatsanwaltschaft professionell organisiert gewesen. Die Prüfungen seien eine „Einnahmequelle von erheblichem Umfang und einiger Dauer“ gewesen. Prüflinge hatten im Normalfall etwa 2000 Euro gezahlt. Es seien aber auch deutlich höhere Beträge gezahlt worden. Gemeinsam sollen die Männer mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit mehr als 179.000 Euro eingenommen und das Geld aufgeteilt haben.
Es ist nicht der erste, aber der größte Prozess gegen die Gruppe: Ein Komplize war bereits im März in Heilbronn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des Betrugs in 31 Fällen schuldig gesprochen, nachdem nachgewiesen wurde, dass er sich als Doppelgänger ausgegeben hatte.
Der TÜV-Verband geht davon aus, dass bundesweit jeder zweite aufgedeckte Betrugsfall bei Führerscheinprüfungen professionell organisiert ist – die Dunkelziffer bleibt hoch. Der Bedarf scheint es auch zu sein: Im vergangenen Jahr fielen laut TÜV bei fast jeder zweiten Führerscheinprüfung die Kandidaten durch.MM/DPA