Feierlaune: Airport-Chef Jost Lammers. © A. F. Schmidt
360 Meter lang ist der Pier genannte Anbau am Terminal 1, der für sechs Millionen Fluggäste ausgelegt ist. © FMG
München – Am Montag dürfte Feierstimmung am Flughafen München herrschen. Zwar wird die bedeutendste Airline am Flughafen, die Lufthansa, von Streikwellen erschüttert. Die Nahostkrise sorgt zudem gerade für einen Knick bei den Flugzahlen, die in den ersten drei Monaten leicht gesunken sind. Noch dazu ist der Flughafen ab Montagabend nur mit eigenem Auto oder Ersatzbus erreichbar – die S-Bahn baut mal wieder.
Trotzdem will sich Flughafenchef Jost Lammers die Feierstimmung nicht verderben lassen. Nach über sechs Jahren Bauzeit wird mit einem Festakt der sogenannte Pier am Terminal 1 eröffnet. Er ist fast wie ein eigenes Terminal: Der 360 Meter lange Anbau hat zwölf Gates für Fluglinien, die nicht der Star Alliance angeschlossen sind. Also etwa Emirates, Etihad und Qatar Airways. Auch der Airbus A380 kann dort parken. Natürlich ist auch Platz für den üblichen Service: Geschäfte, Gastronomie, zwei neue Lounges mit Panoramablick.
Der Anbau kostet nach Angaben des Flughafens 665 Millionen Euro – ursprünglich war mit 400 Millionen gerechnet worden. Der Bau war während der Corona-Phase stillgelegt, daher verzögert sich die Inbetriebnahme. Jetzt soll es soweit sein.
Jährlich sechs Millionen Passagiere zusätzlich können über den Flugsteig abgefertigt werden, die Kapazität des Terminal 1 steigt damit von 14 auf theoretisch 20 Millionen Fluggäste – da nun bald das Kerngebäude des T1 saniert wird, sind es längere Zeit weniger. Zusammen mit dem Terminal 2 (36 Millionen) erhöht sich die Gesamtkapazität des Flughafens auf über 50 Millionen Passagiere.
Doch das soll es, wie man seit zwei Wochen weiß, noch nicht gewesen sein. Die Lufthansa will in Kooperation mit der Flughafen-GmbH auch das Terminal 2 erweitern: der sogenannte T-Stiel, ein Anbau am Satellitenterminal, soll ab 2035 weitere zehn Millionen Passagiere aufnehmen. Dann läge die Gesamtkapazität bei 66 Millionen Fluggästen.
Das entspricht der Größenordnung, die das Fachbüro Intraplan schon 2024 in einer bisher wenig beachteten „Basisprognose 2040“ im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums angegeben hat. Demnach wird bis 2040 mit bis zu 67,5 Millionen Passagieren am Flughafen München gerechnet. Der Anteil der Umsteiger, die also den Flughafen nur zum Umstieg vom einen in ein anderes Flugzeug nutzen, soll sich dabei von heute 42 auf 44 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr zählte der Flughafen 43,4 Millionen Fluggäste – in den nächsten 15 Jahren soll die Zahl also um über ein Drittel wachsen.
Nicht alle glauben an dieses explosionsartige Wachstum. Von „Größenwahn“ spricht der Grünen-Fraktionsvize im Landtag, Johannes Becher. Freie Wähler und die Grünen in der Region argwöhnen, der Flughafen erzeuge künstliches Wachstum, um so Bedarf für eine 3. Startbahn zu schaffen.
Misstrauisch stimmt den Freisinger FW-Abgeordneten Benno Zierer, dass das bayerische Verkehrsministerium eine Luftverkehrsprognose für die Jahre bis 2033, die ebenfalls Intraplan erstellt hat, unter Verschluss hält. In der Prognose sind mutmaßlich auch Zahlen zu Starts und Landungen enthalten. Ist der massive Passagierzuwachs allein durch größere Flugzeuge, nicht durch mehr Flüge, leistbar? Zierer bezweifelt dies. In einem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, fordert er Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) zur Veröffentlichung der Zahlen auf. Das sei „ein Gebot der Transparenz und der Fairness“. Das Ministerium weigert sich bisher und verweist auf ein laufendes Verfahren – die Prognose sei erstellt worden, um neue Lärmschutzzonen auszuweisen, was bis Ende 2026 geschehen soll. Auch auf Anfrage unserer Zeitung lehnte das Ministerium eine Herausgabe der Zahlen ab.
Am Montag beim Festakt mit über 800 geladenen Gästen wird davon weniger die Rede sein. Neben Ministerpräsident Markus Söder, Finanzminister Albert Füracker (beide CSU) und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sollte auch der künftige Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) kommen. Er hat aber abgesagt. „Absagegründe sind uns nicht bekannt“, teilte der Flughafen mit.DIRK WALTER