Attaching – Marvin Haug kickt seit mehr als acht Jahren beim BC Attaching. Das A-Klassen-Spiel gegen den SV Oberhaindlfing am vergangenen Samstag wird der 34-Jährige aber wohl nie vergessen. Seine Mannschaft hätte im Abstiegskampf dringend einen Sieg gebraucht. Umso größer war der Jubel, als Haug – eigentlich Defensivspieler – bereits nach vier Minuten das 1:0 für sein Team erzielte. Der denkwürdige Moment kam allerdings erst später, als es bereits 1:1 stand. Der Ball steuerte auf das Attachinger Tor zu. Haug sah, dass der Torwart kaum noch eine Chance hatte, an den Ball zu kommen. „Ich bin dann eingelaufen und wollte klären“, berichtet er. Dabei berührte er den Ball noch vor der Linie, konnte aber nicht mehr verhindern, dass der Ball hinter der Linie aufschlug. Der Schiedsrichter hatte offenbar nicht gesehen, ob der Ball im Tor war und fragte bei Haug nach. „Ich wollte ihm nicht ins Gesicht lügen“, sagt er. „Deshalb habe ich gesagt, dass ich den Ball deutlich hinter der Linie gesehen habe.“ Mit dieser außergewöhnlichen Fair-Play-Aktion besiegelte der Attachinger das 1:2. Sein Team verlor letztlich mit 1:3. In der Kabine entschuldigte sich Haug bei seiner Mannschaft. „Weil ich sie mit meiner Entscheidung geschwächt habe. Im Abstiegskampf hätten wir die Punkte gut gebrauchen können.“
Seine Mitspieler machten ihm keine Vorwürfe, sondern stärkten ihm den Rücken. Auch Trainer Thomas Stampfl sagte: „Es war absolut richtig, was Marvin geamcht hat. Es ist wichtig, fair zu bleiben.“ Für den Coach zählt, dass Ehrlichkeit belohnt wird, auch wenn es auf dem Spielfeld Punkte kostet: „So etwas kriegst du gutgeschrieben. Das gleicht sich im Lauf der Saison aus“, sagt Stampfl. Auch Norbert Vogler, Trainer des gegnerischen Teams, zeigte sich beeindruckt: „Das habe ich noch nie erlebt. Er hätte sagen können, dass er es nicht gesehen hat.“ Nach dem Spiel gratulierte er Marvin Haug abseits des Platzes: „Das war die Aktion des Jahrhunderts.“MANUEL ESER