DAS PORTRÄT

Der große Auftritt auf vier Rädern

von Redaktion

Justin Marnitz aus Starnberg. © Andrea Jaksch

Wenn Justin Marnitz vor der pinken Stretch-Limousine steht, sieht es aus, als hätte er das Auto gemietet. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar: Farbe und Stil passen perfekt zu ihm. Der 21-Jährige ist Chauffeur – und das in einem Alter, in dem viele noch ihr erstes richtiges Gehalt erwarten. Die neun Meter lange Limousine ist sein Arbeitsplatz. Acht Ledersitze, dutzende Gläser, ein leuchtendes Sternenhimmel-Dach – und dazu die Verantwortung, dass alles reibungslos läuft. „Ich liebe die Reaktion der Menschen, wenn ich vorbeifahre“, sagt er. „Wie sie lachen, jubeln, einfach staunen. Lamborghinis sieht man gelegentlich, Stretch-Limos fast nie.“ Sein Job besteht nicht nur aus Fahren. „Ich bin DJ, Security, Aufpasser und Fotograf zugleich. Am Anfang mache ich Fotos von den Gästen, zeige ihnen den Innenraum. Am Ende wird alles sauber gemacht. Auch von außen waschen wir die Limousine per Hand, das Stoffdach darf keinen Schaden nehmen.“

Seine Karriere begann ganz pragmatisch, Justin Marnitz ist gelernter Elektriker. Doch beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans fungierte er als Shuttle-Fahrer für seinen Vater. „Zuerst bin ich nur zur Werkstatt gefahren oder habe die Limousine gewaschen. Bald saßen zum ersten Mal zahlende Gäste drin. Den Moment vergesse ich nie.“ Heute fährt er für die Firmen seines Vaters, JM Limousinen in Starnberg und American Limousine Service in Puchheim. Die Kunden kommen aus allen Bereichen. „Das sind keine wohlhabenden Leute“, erklärt er. „Wir fahren Hochzeiten, Junggesellenabschiede, Geburtstage, sogar Scheidungen.“ Die Preise variieren. In Starnberg kostet die Stunde 160 Euro, also rund 20 Euro pro Person bei acht Mitfahrern. Getränke gibt es extra, sie lagern gekühlt im Kofferraum. Kuriositäten gehören zum Alltag. „Eine Stammkundin nutzt uns, um die Musik laut aufzudrehen, weil sie es bei ihrer Mutter nicht darf. Alte Leute haben schon ein Kaffeekränzchen in der Limo abgehalten, und einmal haben wir Schüler zur Schule gefahren.“ Seine längste Fahrt dauerte acht Stunden für eine Hochzeit. Ein Höhepunkt ist immer die Fahrt mit seinem Vater. „Dann fahren wir in zwei Limousinen hintereinanderher. Das macht mich stolz.“CAROLINA MOMBAUR

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